Claire Messud - Des Kaisers Kinder

Originaltitel: The Emperor´s Children
Roman. DVA 2007
520 Seiten, ISBN: 3421042047

Am College hatten sie noch Pläne, die Welt zu verändern, Karriere zu machen, irgend etwas außergewöhnliches aus ihrem Leben zu machen. Nun sind sie Anfang dreißig; die Euphorie ist verflogen. Marina ist wieder in ihr altes Kinderzimmer bei den Eltern gezogen, Danielle hat zwar einen "ordentlichen" Job bei einem Fernsehsender, ist jedoch zunehmend frustriert davon, seichte Unterhaltung anbieten zu müssen, während sie doch von anspruchsvollen Reportagen träumt. Und Julius, der dritte im Bunde, lebt konstant über seine Verhältnisse und schlägt sich - neben den öffentlich bekannten Literaturkritiken, die er verfasst - als Zeitarbeiter durch.

Und ausgerechnet bei einem dieser Jobs lernt er einen Mann kennen, der einen Wechsel zu seinen bisherigen Affären zu bedeuten scheint: sehr gut aussehend, sehr gut verdienend - und sehr verliebt. In ihn, Julius. Diese neue Beziehung, die Welt, in die er dadurch nun gerät, lässt ihn den Kontakt zu seinen alten Freundinnen etwas vernachlässigen.

Danielles kurze Verliebtheit in Ludovic Seeley erlebt er daher nur aus zweiter Hand. Und Marina nimmt diese gar nicht erst wahr; sie, die schon seit Jahren erfolglos an einem Buch über die Kulturgeschichte von Kindermode schreibt - sehr zum Missfallen ihres erfolgreichen Vaters - erhält von ihm eine Jobchance, und kurz danach wird aus den Beiden ein Paar.

Danielle hingegen beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Marinas Vater. Und dann gibt es da noch einen jungen Mann, Bootie genannt, ein Neffe von Marinas Vater, der diesen berühmten Mann sehr verehrt und glücklich ist, nun hier in New York als dessen Assistent arbeiten zu dürfen.

Doch Verehrung kann auch rasch ins Gegenteil umschlagen. Bootie, der Zugriff auf die geheimsten Unterlagen des gefeierten Denkers hat, schreibt und veröffentlicht eine vernichtende Kritik zu einem noch in Entstehung begriffenen Werk Murrays. Und bringt dadurch einige Bewegung in das labile Gleichgewicht der Freundesbeziehungen…

Ach ja, der ganz dramatische Umschwung folgt dann noch, es gibt ja schließlich 9/11 - leider, in diesem Fall. Denn ab diesem Zeitpunkt verliert der Roman leider völlig an Glaubwürdigkeit bzw. empfand ich den Plot nur noch als übertrieben. Und schon davor hatte ich immer mehr den Eindruck, eben ein Buch von einer mir sehr fernen, unglaublich selbstbezogenen Gesellschaft zu lesen, deren Denken nur um sich selbst kreist.

Ein Roman, von dem ich mir gerade auch nach einem wie ich fand sehr gelungenen Anfang deutlich mehr versprochen hätte - schade.

Claire Messud

Claire Messud, als Tochter einer Kanadierin und eines Franzosen 1966 in den USA geboren, lebt in Sommerville, Massachusetts. Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin war sie als Dozentin für Creative Writing sowie als Journalistin tätig. Ihre Bücher wurden von der Kritik hoch gelobt. "Des Kaisers Kinder" ist ihr vierter Roman

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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