Siri Hustvedt - Being a Man. Essays

Originaltitel: A Plea for Eros
Erzählung(en). (englischsprachiger Verlag) 2006
228 Seiten, ISBN: 0340839791

Die Essays, die ich im englischen Original gelesen habe, beginnen mit dem Wort "Yonder", das auch der Titel des ersten Beitrags dieses Buches ist. Yonder, ein Wort das einen Schwebezustand beschreibt, ein Dazwischen, ist ein wunderbarer Aufhänger für die Autorin, ihre Kindheit in Minnesota, im Kreis norwegischer Einwanderer der 1. und 3, 4. Generation, zu erzählen. Viel schreibt sie über die Landschaft, über das Leben am Land, aber auch über die zweite Sprache, die man durchhört, auch wenn Englisch gesprochen wird.

Sie hat dann selbst eine Weile in Norwegen gelebt, hat hier studiert, sich dabei auch an die Geschichte erinnert gefühlt, wie ihre Eltern sich kennen gelernt haben - es sind oft nur recht kurze Fragmente, die aber sehr stimmungsvoll wiedergeben, was sie damals beschäftigt hat.

Natürlich geht es in manchen der Essays auch um Kunst, um Literatur, aber diese sind mir bei weitem nicht so eindrucksvoll im Gedächtnis geblieben wie alles das, was die Autorin in erzählerischer Form von sich selbst berichtet. Wobei es eigentlich nicht wichtig ist, ob es ihre eigene Geschichte ist (es ist nur eben aus der Ich-Perspektive geschildert), sondern die Tatsache, dass sie es schafft, so wunderbare, lebendige Geschichten zu erzählen.

So schreibt sie auch über ihr Aufwachsen als eine von vier Schwestern; über die Rollenverteilung, die sich in der Familie daraus fast automatisch ergab, aber auch über einen mehrtägigen Ausflug zu einem sehr geliebten Onkel und die Befremdung, die man als Kind in einer ungewohnten Umgebung erleben kann.

Aus erwachsener Sicht kommen dann Eindrücke aus der Beziehung zu ihrer Tochter…

Kurz und gut: es ist ein schmaler Band, der mir persönlich ausgesprochen gut gefallen hat. Allerdings würde ich raten, danach sehr lange zu warten, bis man Hustvedts letzten Roman, "Die Sorgen eines Amerikaners", liest - denn zu viel wird man darin wiederfinden, nur ohne den unmittelbaren Charme, den sie zumindest auf mich hier ausgeübt haben.

Siri Hustvedt

Siri Hustvedt wurde 1955 in Northfield, Minnesota, geboren. Sie studierte englische Literatur an der New Yorker Columbia-Universität und promovierte mit einer Arbeit über Charles Dickens. Sie ist mit Paul Auster verheiratet, lebt in Brooklyn und hat einen Stiefsohn und eine Tochter, Sophie Auster.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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