Veit Heinichen - Totentanz

Originaltitel: Totentanz
Krimi. Zsolnay Verlag 2007
316 Seiten, ISBN: 3552054146

Es hatte in der letzten Zeit ja schon einige Anzeichen dafür gegeben, aber als Proteo Laurenti dann von seiner langjährigen Geliebten, der kroatischen Staatsanwältin Ziva Ravno, den Laufpass bekommt, kränkt das seine Eitelkeit dann doch. Außerdem gibt es in seinem Team Unstimmigkeiten, seit Pina Cardareto mit ihm Team war, eine sehr ehrgeizige junge Frau. Und dann explodiert quasi vor der Nase der Polizei eine Bombe - und Laurenti erfährt es ausgerechnet von der Presse.

Keine gute Zeit also für Triests besten Kommissar - Unfrieden auf allen Fronten. Und was er nicht weiß, der Leser aber schon: direkt vor seiner Nase operieren die Geschwister Drakic erneut an lukrativen Machenschaften. Tatjana Drakic, mit neuem Gesicht und in der Funktion als Konsulatin eines Zwergenstaats, steht ihm unerkannt sogar gegenüber, als er im Fall einer beinahe zu Tode geprügelten Journalistin auch in diesen Büros recherchiert.

Währen Pina das Gefühl hat, dass ihr in ihrem neuen Zuhause auf unliebsame Weise nachspioniert wird und sie ausgerechnet den grantelnden, pensionierten Gerichtsmediziner Galvano zur Mithilfe überreden kann, ist sie näher an der Auflösung des Falls dran, als ihr bewusst ist…
Auch dieser fünfte Fall um Proteo Laurenti hat mir sehr gut gefallen. Die politischen und vor allem wirtschaftlichen Bezüge sind aktuell, das Stammpersonal des Romans wächst einem in seiner Knorrigkeit ans Herz, gerade weil hier nicht der liebevolle Übervater gezeigt wird, sondern ein fremdgehender, fehlerbehafteter Mensch.

Und trotz aller Begeisterung - ich habe in diesem Fall etwas vermisst, bzw. eigentlich gab es Punkte, in denen mir etwas zu viel wurde. So herrlich ich die Szene noch fand, als Laurenti ausgerechnet mit dem Auto seiner Frau vom letzten Treffen mit Ziva zurückkommt und vor Ärger eine Beule reinfährt - der Tonfall in diesem Roman wurde mir etwas zu bärbeißig, zu rau. Und dass schon wieder die Geschwiser Drakic am Werk waren… langsam würde ich mir eine Ablösung der Feindfiguren wünschen, hier fehlt mir eine gewisse Dynamik. Andererseits war für einen Leser wie mich im Plot schon wieder etwas zu viel Dynamik, zu viel Action, zu viel potentielle Verfilmbarkeit im Hintergrund.

Trotzdem: Veit Heinichen schreibt eine der besten Krimireihen, die ich kenne. Lesen!

Veit Heinichen

Veit Heinichen, geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags und bis 1999 dessen Geschäftsführer. Er kam 1980 zum ersten Mal nach Triest, wo er heute lebt. Unter dem Titel Grenzgänge berichtete er für die Badische Zeitung aus der Hafenstadt an der nördlichen Adria.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©03.03.2008 Daniela Brezing - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing