Elizabeth George - Em Ende war die Tat

Originaltitel: What Came Before He Shot Her
Krimi. Goldmann Verlag 2008
672 Seiten, ISBN: 3764501669

Wie betäubt hatte man als Leser von Elizabeth Georges letztem Roman die Nachricht hingenommen: Helen Lynley, die schwangere Ehefrau von Thomas Lynley, war von einem schwarzen Jugendlichen erschossen worden. Seine Entscheidung, die Geräte abschalten zu lassen, da bei Helen keine Gehirnaktivität mehr feststellbar war, obwohl das Kind vielleicht eine Überlebenschance gehabt hätte, hatte mich zumindest schwer beschäftigt.

In diesem letzten Teil lag die Vermutung noch nahe, dass der Schuss etwas mit den laufenden Ermittlungen zu tun haben könnte - was sich nicht bestätigte. Aber wo liegt nun die Ursache, warum hat der zwölfjährige Joe Campbell auf Helen geschossen?

Die Geschichte beginnt einige Zeit davor - als Joel und seine beiden Geschwiste, Toby und Ness, einfach bei seiner Tante Kendra abgesetzt werden, die mit dem unverhofften und unerwünschten Kindersegen hoffnunglos überfordert ist. Dabei sind ihre Absichten durchaus gut; sie sorgt dafür, dass die drei eine verhältnismäßig gute Schule besuchen können, will sich auch um Toby kümmern, der geistig zurückgeblieben ist. Bei Joel scheinen ihre Bemühungen wirklich Wurzeln zu schlagen; nach einer Weile hat er in der Schule einen erwachsenen Ansprechpartner, es gibt ein Mädchen, das ihn mag - und er kümmert sich sehr um Toby.

Ness hingegen gerät sehr schnell auf eine falsche Spur, fängt an, Drogen zu nehmen, lässt sich mit einem der Straßengangbosse ein, mit "The Blade"…

Als eine Bande Jugendlicher beginnt, Toby zu piesacken, und Joel keinen Ausweg mehr sieht, macht er einen verhängnisvollen Fehler: er wendet sich an "The Blade" um Hilfe…

Ja, auch ich hatte natürlich, als ich das Buch zur Hand nahm, einen Krimi erwartet, eben die Vorgeschichte zum letzten Fall. Aber schon recht bald war klar, dass es diesmal nicht nur eine ausführliche Einführung in die Geschichte geben würde, sondern tatsächlich eine ausführliche Milieustudie, anhand derer absehbar ist, wie viel das Umfeld kaputt machen kann.

Dabei war das Tragische für mich weniger, dass der Junge abrutscht, sondern, dass er nie gelernt hat, anderen Menschen so weit zu vertrauen, dass er sie um Hilfe bitten könnte.

Obwohl meine Erwartungshaltung anders war, und ich nach wie vor höchst gespannt bin, wie es mit Lynley denn nun weitergehen kann, wo er doch beim Scotland Yard gekündigt hat, gibt es von mir auch für diesen Fall eine Empfehlung.

Elizabeth George

Elizabeth George wurde am 26. 02.1949 in Warren, Ohio geboren. 1971 heiratete sie Ira Toibin. Sie war früher Highschool-Lehrerin für Englisch und Literatur mit Abschluss in Psychologie. Ihre Krimis zeichnen sich durch akribische Recherche und präzisen Spannungsaufbau aus. Die Autorin lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Zur Zeit werden ihre Romane von der BBC London verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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