Marian Keyes - Erdbeermond

Originaltitel: Anybody Out There?
ChickLit. (englischsprachiger Verlag) 2006
592 Seiten, ISBN: 0141029889

Es gibt einige Themen, die werden bei den Walshs einfach nicht angesprochen. Adrian zum Beispiel. Von Adrian wird überhaupt nicht geredet. Dabei war Anna erst ein knappes Jahr mit ihm verheiratet gewesen vor diesem Unfall, von dessen Folgen sie sich gerade im Schoß ihrer Familie erholte.

Erst als Anna erklärt, so rasch als möglich nach New York zurückkehren zu wollen, werden die Befürchtungen geäußert - ob sie es wohl schaffen werde, durchhalten werde, so alleine in die einst gemeinsame Wohnung zurückzukehren?

Auch in ihrem Job ist Anna erstmal fremd; die Unfallnarben erlauben ihr nicht mehr, die schrillen Outfits und Makeups zu tragen, die zu ihrem Beruf gehören, dazu braucht es noch eine Weile. Und Rücksicht nimmt nach den ersten Tagen da auch keiner mehr auf sie; in den Abteilungen, mit denen sie weniger zu tun hatte, wird ihre Abwesenheit auch eher mit einer Entziehungskur in Verbindung gebracht, von ihrem Unfall weiß dort keiner. Und auch nicht davon, was mit Adrian passiert war.

Ja, Adrian. Natürlich war es schwer, in der Wohnung nun alleine zu sein. Ihm Emails zu schicken und keine Antwort darauf zu erhalten. Sein Handy anzurufen und nur mit der Mailbox verbunden zu werden. Und dauernd die Erinnerungen an die glücklichen Zeiten zu sehen, die sie gemeinsam verbracht hatten.

Aber während sie sich schrittweise, mit Unterstützung ihrer Freunde und immensem Arbeitseinsatz, davon zu erholen begann, kam eine Nachricht, die nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit nochmal gehörig durcheinanderwirbelte…

So sehr ich Marian Keyes als Autorin sehr lesenswerter Frauenromane, die bei allem Humor und bei aller (übertriebener) Situationskomik immer auch einen gewissen Ernst beinhalten, schätze - mit diesem Roman hier konnte ich relativ wenig anfangen. Fakten, die dem Leser eigentlich schon sehr bald klar sind, wie der Tod Aidans, werden so lange wie möglich nicht beim Namen genannt, und so gut ich mich in manche der Verzweiflungsaktionen zur Trauerbewältigung hineinversetzen konnte - irgendwann hat es mir einfach auch gereicht, immer noch eine Absurdität oben draufgesetzt zu bekommen. Da ich an Klamotten- und Makeup-Marken nicht übermäßig interessiert bin, hatte mich der große Anteil, den die Beschäftigung damit ausmachte, auch eher gelangweilt.

Denonch - es gibt schon immer noch die Passagen, die ich an der Autorin einfach schätze, die ihre Bücher gut und angenehm zu lesen machen. Dieses hier, mit dem auf Deutsch völlig absurden Titel "Erdbeermond" (wer sich das wohl ausgedacht hat! Wie gut, dass ich die englische Ausgabe gelesen habe…) zählt nicht zu meinen Favoriten unter den Titeln dieser Autorin.

Marian Keyes

Geboren in Limerick, Irland, wuchs als ältestes von fünf Geschwistern auf, ist trockene Alkoholikerin und verarbeitet das in ihren Büchern. Seit 1997 lebt sie mit ihrem Mann in Dublin

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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