John von Düffel - Houwelandt

Originaltitel: Houwelandt
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2006
320 Seiten, ISBN: 3423134658

Der rote Faden ist die Geburtstagsfeier, die anlässlich des 80. des Familienoberhauptes, Jorges, begangen werden soll. Er will sie nicht, er will nicht feiern, will keine Ablenkung von seiner Routine. Und er will auch nicht in die Gelegenheit kommen, seinem Schmerz nachzugeben, von dem noch nicht einmal Esther, seine Frau, weiß.
Sie hat die zweite Stimme dieses Romans; sie ist es, die sich diese Familienfeier wünscht, die auch weiß, wieviel diplomatisches Geschick nötig sein wird, ihre Kinder an einen Tisch zu kriegen, einen Waffenstillstand zu erzwingen.
Thomas ist der älteste Sohn; einer, der im Gegensatz zum Vater nichts aus sich gemacht hat, der mit seinen 57 Jahren, nach einer gescheiterten Ehe, nun darauf angewiesen ist, von seinem Vater als Verwalter des Hauses eingesetzt zu werden, eine Aufgabe, die er mehr schlecht als recht erfüllt. Ihm fällt die Aufgabe zu, anlässlich dieses Geburtstags eine Rede zu verfassen, mit der er nicht vorankommt - und bei der ihm auch sein Sohn Christian nicht helfen will.
Christian ist die vierte Stimme in diesem Buch; er ist erfolgreicher Fernsehjournalist, lebt in einer glücklichen Beziehung - und stellt fest, dass er seinem Leben gern einen Sinn geben würde, einen Inhalt - ein Kind. Das seine Lebensgefährtin nicht wünscht…

Es ist keine völlig neue Geschichte, nicht besonders aufregend, es sind 3 Generationen, die miteinander kaum Schnittstellen haben, eine Familie ohne Wärme, ohne Verbundenheit.

Der Roman hat mir im Prinzip sehr gut gefallen, aber insgesamt gab es für mich doch auch einige Mängel.

Zum Beispiel wurde für mich nicht schlüssig, was den Großvater, Jorge, antrieb; seine gnadenlose Askese, die er auch auf andere ausweiten wollte, war mir zu radikal, um noch glaubhaft zu wirken.

Aber insgesamt fand ich einige sehr schöne Stellen darin, besonders angesprochen hatte mich die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Thomas und Christian; Thomas, der so sehr unter seinem Vater gelitten hatte, dass er Christian auf jeden Fall vor dessen Einfluss bewahren wollte, ihm immer den Rücken stärken wollte, aber nie mit ihm sprach. Und von Christian entsprechend als Kind auch ganz anders wahrgenommen wurde, als Weichei, als einer, der nie was auf die Reihe kriegt.

Diese beiden Stimmen in ihrer Ergänzung alleine sind es schon wert, den Roman zu lesen!

John von Düffel

John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, lebte zeitweise in Irland und den USA, er promovierte 23jährig über Erkenntnistheorie und war danach als Theater- und Filmkritik, als Schauspieldramaturg und Übersetzer tätig. Er ist einer der meistgespielten jungen deutschen Theaterautoren der letzten Jahre. Für "Vom Wasser", seinem ersten Roman, wurde er u.a. mit dem "Aspekte"-Literaturpries und dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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