Charles Dickens - Das Geheimnis des Edwin Drood

Originaltitel: The Mystery of Edwin Drood
Roman. Manesse 2005
762 Seiten, ISBN: 371751976X

Das Buch liegt jetzt schon seit so vielen Jahren auf meinem SUB, und ich hatte Lust, nach all dem Zeitgenössichen mal wieder in eine Dickensche Welt abzutauchen... die ich diesmal aber, muss ich ehrlich sagen, nicht ganz so vorfand wie ich sie gewohnt war.

Es dauert eine ganze Weile, sehr lange (und zum Teil auch ganz schön langatmig) bis wir mit dem Hauptpersonal des Romans vertraut sind. Da ist zum einen John Jasper, der Kantor von Cloisterham; er raucht Opium, was in der Stadt aber eignetlich keiner weiß, und hängt mit einer innigen Affenliebe an seinem nur wenige Jahre jüngeren Neffen, Edwin Drood.

Dieser wiederum ist mit einer Waise verlobt, mit Rose Bud; schon seit Kindertagen sind die Beiden sich gegenseitig versprochen, und zanken sich dabei fast immer, wenn sie sich sehen. Rosa wird von den Nonnen im Kloster erzogen, und nimmt außerdem Musikstunden bei Jasper.

Mr. Crisparkle ist der Hilfskanonikus der Gemeinde; und seine Mutter ist es dann auch, die darum bittet, dass 2 junge Menschen mit aufgenommen werden: Neville & Helena Landless, Zwillinge, ebenfalls Waisen.

Schon am ersten Abend entdeckt Helena, dass Jasper glühend in Rosa verliebt ist, ungeachtet der Verlobung mit seinem Neffen. Und außerdem beginnen Neville und Edwin schon im Laufe dieses ersten abends einen erbitterten Streit.

Nach einigen Verwicklungen, die ich mir hier sparen werde, kommt das, was kommen muss: Edwin ist verschwunden, und Neville auch - der noch dazu Blut auf seinem Wanderstock hat. Edwins Schmuck wird kurz danach auf dem Grund des Wehres gefunden und erhärtet den Verdacht gegen Neville...

Es gibt nur wenige Menschen, die an seine Unschuld glauben; diese versuchen nun ihrerseits, das Rätsel mit Geduld und Beharrlichkeit zu lösen.

Die eigentliche LÖsung des Rätsels konnte Dickens aber leider nicht mehr verraten, und so haben sich im Laufe der Jahre schon viele Leser vergeblich den Kopf zerbrochen, was auf den fehlenden Kapiteln noch passiert wäre.

In dieser Manesse-Ausgabe wird der Versuch gestartet, den Roman zu vollenden - und dieser Versuch geling gar nicht mal so schlecht, zumindest sind die Handlungsfäden durch die Bank durchaus plausibel.

Für meine Begriffe hat es diesmal sehr lange gedauert, bis die Handlung wirklich in Schwung kam, aber danach habe ich mich an den schönen sprechenden Namen, den kleinen Giftspritzen zwischendurch und der für damalige Zeiten vielleicht subtilen, heutzutage aber recht bieder wirkenden Beschreibungen erfreut.

LG, Daniela

Charles Dickens

Charles Dickens geb. 7.12. 1812, Landport bei Portsmouth - 9.6.1870, London, Gadshill Place bei Chatham-Rochester, beigesetzt in der Westminster Abbey. Seine unbeschwerte Kindheit endete in einer doppelten Erniedrigung. Der 12jährige Charles musste in einer Schuhcreme-Fabrik arbeiten, um der finanziell ruinierten Familie nicht mehr zur Last zu fallen. Sein Vater wurde dennoch ins Schuldgefängnis gesperrt; Nachdem die Schulden getilgt waren, durfte Charles wieder in die Schule. In Anwaltskanzleien erlernte er dann das Handwerk des Schreibens. Er wurde Parlamentsberichterstatter und konnte kurze Skizzen über das Londoner Leben in Zeitschriften veröffentlichen, darauf schrieb er Fortsetzungsromane, häufig mehrere gleichzeitig. Er war ein gutaussehender und gutgekleideter, rühriger Mann, ein gerngesehener Gast und ein sympathischer Gastgeber. Die Romane, in denen Dickens mit Liebe und Humor die Welt der kleinen Leute darstellte und aus tiefem Mitleid Kritik an den sozialen Missständen übte, waren ein lebenslanger Nachklang an seine in einer Fabrik verlorengegangene Jugend.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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