John Burnside - Die Spur des Teufels

Originaltitel: The Devil's Footprints
Krimi. Knaus Verlag 2008
256 Seiten, ISBN: 3813502961

Im kleinen schottischen Küstenort Coldhaven geht die Sage um, der Teufel wäre eines Morgens aus dem Wasser gestiegen und hätte seine Spuren im Dorf hinterlassen…

Michael Gardiner lebt seit seiner Kindheit in Coldhaven und ist hier doch immer Außenseiter geblieben. Zurückgezogen residiert er mit seiner Frau in einem abgelegenen Haus; durch eine Erbschaft verfügt er über genügend Geld, nicht arbeiten zu müssen, und so verbringt er seine Tage damit, spazieren zu gehen, die Vögel zu beobachten, Zeitung zu lesen und ein Schwätzchen mit der Putzfrau zu halten, die immer bestens über allen Klatsch und Tratsch aus dem Dorf informiert ist.

Die Nachricht, dass eine Frau aus Coldhaven, betrunken und überzeugt, ihr Mann sei eine Reinkarnation des Teufels, sich und ihre beiden Söhne getötet hat, die vierzehnjährige Tochter Hazel aber verschont hat, löst in Michael einen seltsamen Reflex aus. Vor ewig langen Zeiten hatte er ein Verhältnis mit dieser Frau, mit Moira - und rein rechnerisch könnte er Hazels Vater sein, redet er sich ein. Oder welchen Grund gab es sonst, die Söhne zu töten und die Tochter zu verschonen als den, dass nicht ihr Mann der Vater des Kindes war?

Neben der Schuld, die er in seiner Kindheit an Moiras Bruder auf sich geladen hatte, fühlt er sich nun auch Hazel verpflichtet, und bricht mit ihr zu einem unbekannten Ziel auf, so wie damals Humbert Humbert mit seiner Lolita…

Obwohl der Tonfall des Buches wirklich sehr ansprechend ist, hält der Inhalt leider nicht, was die Sprache verheißt. Burnsides Sprache trifft bei mir einen Nerv; ohne ins Kitschige abzugleiten, schafft er es, zum Beispiel Landschaften (auch Seelenlandschaften) sehr poetisch zu schildern, er findet Bilder, die im Kopf hängen bleiben.

Leider hält für mich die Handlung des Romans dem nicht stand. Bis zum Schluss habe ich mich gefragt, was der Autor mir eigentlich damit sagen wollte, worum es in diesem Buch eigentlich ging. Entsprechend mag ich es eigentlich auch nicht wirklich als Krimi bezeichnen, obwohl ein Mord darin vorkommt.

John Burnside

Geboren 1955 in Dunfermline, Schottland Burnside studierte in Cambridge am College of Arts and Technology Englisch und Europäische Sprachen. Danach war er in der Entwicklung von Computer-Software tätig, bevor er 1996 freiberuflicher Schriftsteller wurde. Er ist heute (2011) Professor für Kreatives Schreiben an der University of St Andrews in Schottland. Er schreibt eine Kolumne in The Guardian.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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