Peter Stamm - An einem Tag wie diesem

Originaltitel: An einem Tag wie diesem
Roman. S. Fischer Verlag 2007
208 Seiten, ISBN: 3596173833

Andreas hat sich gut eingerichtet in seinem Lehrerdasein in Paris. Er mag seine kleine Wohnung, sein Liebesleben beschränkt sich auf zwei schon lange laufende Affären mit gebundenen Frauen. Es passiert nicht viel in seinem Leben. Man könnte nicht von Unglück sprechen bei ihm - eher von einer Abwesenheit von Glück.

Nur gesundheitlich ist er in der letzten Zeit etwas angeschlagen, immerhin genug, dass er in eine Spezialuntersuchung einwillgt. Als ihm aber das Ergebnis mitgeteilt werden soll, kneift er in letzter Minute - innerlich sicher, dass er mit einem schwer zu verkraftenden Urteil zu rechnen hat. Und plötzlich ist er bereit, alles aufzugeben, alles hinter sich zu lassen - seinen Job zu kündigen, den Affären abzusagen (inkl. Kleinlichem Anruf beim Ehemann), und die Wohnung zu verkaufen.

Und dann macht er sich auf in die Heimat, zurück in die Schweiz. Auch wenn er es nicht ausspricht: aber er will vor allem die eine Frau wiedersehen, die er schon seit seiner Jugend liebt, die er einmal geküsst hat und die dann seinen Freund geheiratet hat. Sie ist es, die ihm immer vorschwebt, wenn er wieder einmal daran scheitert, sich auf eine andere Frau einzulassen.

Dabei ist es nicht so, als hätte er Probleme, beim anderen Geschlecht anzukommen. Auch in seiner jetzigen Situation gibt es eine junge Frau, Delphine, die sich um ihn kümmert, ihn auf eine Weise umsorgt, die ihn eigentlich schon wieder befremdet. Er verletzt sie, schickt sie weg - um sich dann doch wieder bei ihr zu melden, ja, sie in die Schweiz mitzunehmen.

Als Leser wird man damit konfrontiert, dass Andreas zwar nun sein Leben radikal ändert, dass er seine Wohnung verkauft, den Job kündigt, sich "auf den Weg" macht - aber auch, dass sich damit im eigentlichen Sinne nichts ändert. Andreas wird dadurch nicht lebendiger, er existiert, aber alles bleibt gleich blutleer. Nur wenige Momente der Tiefe sind ihm gegeben.

Gerade dieses Nichts ist an manchen Stellen im Roman wunderbar beschrieben und nachvollziehbar - einen ganzen Roman trägt es jedoch nicht. Mein Leseempfinden schwankte zwischen Langeweile und Freude an einzelnen, zu seltenen Passagen.

Peter Stamm

Peter Stamm, geboren 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psyhcholgie, Psychopathologie und Wirtschaftsinformatik. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Verfasste mehrere Hörspiele für Radio DRS, Radio Bremen und den WDR

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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