Gisa Klönne - Der Wald ist Schweigen

Originaltitel: Der Wald ist Schweigen
Krimi. Ullstein Verlag 2006
364 Seiten, ISBN: 3548263348

Es gab eine Zeit, da war Ingrid Krieger eine Ermittlerin mit Killerinstinkt. Eine hervorragende Kommissarin, die sich nicht so leicht von der richtigen Fährte abbringen ließ. Doch diese Zeit ist seit zwei Jahren vorbei; präziser, seit dem Zeitpunkt, als sie mit ihrem Partner und bestem Freund den Dienst getauscht hatte und dieser bei dem Einsatz erschossen wurde.

Als die Kollegen aus dem bergischen Land Unterstützung durch die Kripo Köln anfordern, wird ihr sehr unmissverständlich mitgeteilt, dass dies ihre letzte Chance ist - und auch, dass ihr ein junger Kollege zur Seite gestellt wird, ein neuer Partner, Manfred - Manni - Korzilius.

Diese beiden also werden zur grausam entstellten Leiche in einem idyllischen Tal im Bergischen gerufen; viel ist nicht mehr zu erkennen vom Opfer, das Gesicht ist von den Krähen nahezu aufgefressen, die Vögel haben auch vor den Innereien nicht Halt gemacht. Einzig einen Schopf blonder Haare kann man noch erkennen. Keine Kleidung, natürlich auch keine Ausweisdokumente - wie ist das Opfer auf diesen Hochsitz gekommen, was ist geschehen?

Schon der Anfang ihrer Zusammenarbeit steht unter keinem guten Stern. Manni arbeitet so, wie man es ihm beigebracht hat, methodisch befragt er nach dem Ausschlussverfahren, und hat sich, nachdem das Opfer tatsächlich identifiziert werden kann, auch schon bald auf eine mögliche Täterin eingeschossen, während Ingrids Intuition sie nach wie vor in Richtung Sonnenhof wendet, einem Fremdkörper im Bergischen Land: einem kleinen Ashram, dessen Bewohner ihr in mancher Hinsicht verdächtig erscheinen.

Es ist jedoch Manni, der die ersten Verhandlungserfolge vorweisen kann - und kurz darauf wird Ingrid wegen einiger Fehler, die sie in ihrer Hast begangen hat, vom Fall abgezogen und suspendiert.

Sie ermittelt auf eigene Faust weiter und sieht auch bald erste Erfolge; um den Fall aber wirklich zu lösen, braucht sie die Hilfe ihres Kollegen, und muss sie lernen, sich ihren eigenen Ängsten zu stellen...

Auch wenn es insgesamt ein paar Fäden gibt, die nicht zu meiner Zufriedenheit aufgelöst wurden, auch wenn die Handlung an mancher Stelle ein bisschen holpert und einige Wendungen ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirken: ich habe diesen Krimi sehr gerne gelesen. Die Ermittlerin ist gerade durch die Art, wie sie nicht funktioniert, interessant, die weiteren eingeführten Charaktere ebenfalls, man kann sich in Land und Leute gut reinversetzen - kurzweilige Unterhaltung!

Gisa Klönne

Geboren 1964. Schriftstellerin, Journalistin und Dozentin für kreatives und journalistisches Schreiben. Lebt in Köln.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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