Hanns-Josef Ortheil - Das Verlangen nach Liebe

Originaltitel: Das Verlangen nach Liebe
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2007
300 Seiten, ISBN: 3630872638

Es war die große Liebe. Die ganz große Liebe. Johannes, der Musikstudent, und Judith, die Kunststudentin; kennen gelernt hatten sie sich bei einem Konzert, und aus einer belanglosen Plauderei zwischen Sitznachbarn wurde bald eine symbiotische Beziehung.

Nächtelang konnten die beiden über ihre jeweiligen Interessen reden, über Musik, über Kunst; einer tauchte ein in die Gedanken des anderen, sie waren wie miteinander verwachsen. Doch dann - der Bruch. Nein, es sei hier nicht verraten, warum er stattfand, denn auch das Buch setzt erst an einer Stelle ein, die diesen Punkt lange ausklammert.

Und dieser Punkt ist ein sonniger Nachmittag in Zürich, 18 Jahre nach diesem Bruch. Johannes sieht Judith zuerst; unverändert ihre Art des Auftretens, ihre Unbekümmertheit, wie sie sich auf einer Parkbank ausstreckt, um zu schlafen. Er gibt sich nicht zu erkennen, folgt ihr aber bis in das Hotel, in dem sie logiert; ihn treibt natürlich auch der Gedanke um: was macht sie hier? Und vor allem: ist sie alleine hier?

Er selbst ist in der Zwischenzeit ein ausgesprochen erfolgreicher Konzertpianist geworden, soll hier in einer Woche ein Konzert geben. Es geht ihm gut, jetzt. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis er über den Verlust hinweggekommen war, eine feste Beziehung hatte seither in seinem Leben auch keinen Platz gehabt. Ein besonders vertrauliches Verhältnis zu seiner Managerin, ein paar Kontakte in entfernten Städten, in denen er häufiger auftrat; doch als er jetzt Judith wiedersieht, weiß er, dass er nie aufgehört hat, das wiederzuwollen, was sie verloren haben.

Sie begegnen sich, an einem Ort, an dem sie auch früher schon gemeinsam waren - in der Kronenhalle. Judith hatte ihn gesehen, gestrahlt, sich offensichtlich gefreut, geredet - nur nicht über das eine; und war dann genauso plötzlich und ohne ein weiteres Treffen in Aussicht zu stellen verschwunden.

Doch natürlich geht ihre Geschichte weiter, sie nähern sich wieder an, wenn auch nicht ohne Hindernisse...

Wem diese Beschreibung etwas zu kitschig klingt, dem kann ich nur zustimmen: ja, es ist unglaublich kitschig. Und leider noch nicht einmal kitschig-gut, sondern - für mich - unerträglich. Dazu ein Überbau an intellektuellen Gesprächen über Malerei und Musik (die beiden müssen schließlich demonstrieren, dass sie nach wie vor eintauchen in alles, was den anderen betrifft), der sich klug anhört, aber auf mich so ganz und gar nicht anregend wirkte, weil diese Dialoge, genauso wie die Konstruktion der Handlung, wie die Beschreibung der anderen Begegnungen hier in Zürich (auch mit anderen Menschen) so unglaublich gekünstelt und überhöht dargeboten werden, dass mir jeglicher Lesespaß (der mir schon auf Seite 2 bei einigen Formulierungen abhanden kam) verwehrt wurde.

Es gab einen Roman von Ortheil, mit dem er mich wirklich gut unterhalten hatte, sein Verlegerroman "Die geheimen Stunden der Nacht" - und auf ähnliches hatte ich auch bei diesem Roman gehofft und wurde bitter enttäuscht.

Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil, geboren 1951 in Köln, lebt heute in Stuttgart. 1979 erschien sein erster Roman.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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