Tobias Wolff - This Boy´s Life - Das Blaue vom Himmel

Originaltitel: This Boy´s Life
Roman. Berliner Taschenbuch Verlag 2007
350 Seiten, ISBN: 3833304669

Nachdem ich von "Alte Schule" so begeistert war, hatte ich mich auch auf diesen Roman sehr gefreut. Wobei der Begriff "Roman" hier nicht ganz zutreffend ist; denn eigentlich handelt es sich um den ersten Teil der Memoiren des Autors, und die haben mit der an sich heilen Welt, die zB in der "Alten Schule" geschildert wird, nichts zu tun.

Toby ist zehn, als er mit seiner Mutter Rosemary nach Utah aufbricht. Die Scheidung seiner Eltern ist jetzt schon eine Weile durch, der ältere Bruder war beim Vater und dessen neuer Frau geblieben, zwischen den Familienteilen bestand so gut wie kein Kontakt mehr. In Utah wollten sie Uran finden und reich werden; doch dieses Ziel hatten schon einige Menschen vor ihnen, weshalb seine Mutter dann über einen kleinen Job als Sekretärin ganz glücklich war.

Aber der Mann, vor dem sie bei der Gelegenheit davongelaufen waren, Roy, fand sie auch hier und es dauerte noch einige Zeit, bis Mutter und Sohn von neuem aufbrachen. Seattle war dann mehr aus Zufall denn aus Absicht der nächste Anlaufpunkt. Die Freunde, die die Mutter hier fand, waren der Meinung, sie müsse heiraten, ihr Sohn brauche eine feste Hand; und der Ärger, den Toby immer wieder verursachte, veranlasste sie dann tatsächlich, dem Werben eines gedrungenen kleinen Mannes nachzugeben, der die Illusion vermittelt, mit ihm und seinen Kindern wäre eine glückliche Familie möglich.

Das Leben mit Dwight entpuppt sich als Desaster...

Auch dieses BUch ist nicht schlecht geschrieben, es ist vermutlich noch nicht mal eine schlechte Geschichte. Das Problem für mich war nur: ich hatte kein Interesse daran, einem jungen Burschen dabei zuzusehen, wie er in einem an sich kaputten Leben zurechtkommt, wie er als Außenseiter, geschlagen mit Eltern, die zwar (die Mutter) ausgesprochen liebevoll, aber nicht unbedingt lebenstüchtig sind. Dieses Herumstreunern, trinken, stehlen, das konnte mich einfach nicht genug fesseln. Dabei hat der Autor auch hier in vielen Detailszenen gezeigt, was ich an sich an ihm schätze: die persönlichen Konflikte, die sich aus manchen SItuationen ergeben, die Momente, in denen man persönlich wächst und eine Entscheidung treffen muss.

Nicht unbedingt mein Fall, aber dennoch ein ganz gutes Buch!

Tobias Wolff

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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