Simon Beckett - Die Chemie des Todes

Originaltitel: The Chemistry of Death
Krimi. Rowohlt Verlag 2007
432 Seiten, ISBN: 3499241978

Auch eine Leiche, die schon halb verwest ist, hat noch eine Menge zu erzählen - und der Mann, der als führende Kapazität Englands galt, diese Zeichen zu lesen, hat sich vor einigen Jahren nach einer persönlichen Tragödie in ein abgeschiedenes Dorf zurückgezogen, um hier nun als Landarzt sein Leben zu fristen.

Langsam fängt David Hunter an, sich hier heimisch zu fühlen; die Praxis teilt er sich mit Henry, dem "eigentlichen" Arzt, der seit einem Unfall an einer Querschnittslähmung leidet und nicht mehr belastbar genug ist. David ist nach wie vor weit davon entfernt, dazuzugehören; aber er lebt sich langsam im Dorf ein, wird akzeptiert, fühlt sich von den Dämonen immer weniger verfolgt.

Als zwei Jungs aus dem Dorf eine halbverweste Leiche finden, will er damit anfangs auch gar nichts zu tun haben. Er führt die Polizei zwar zur Fundstelle, verrät aber seinen Hintergrund nicht.

Aber ein Traum, den die Mutter der Jungen einige Tage davor hatte, bringt ihn auf die Idee, beim Rückweg am Hof von Sally vorbeizufahren, einer alleinstehenden jungen Frau. Den Hof findet er verlassen vor, die Haustür offen - und nach dem Zustand der Pflanzen und vor allem Tiere nach war hier auch schon eine Weile niemand mehr.

Dass es ausgerechnet David war, der auch hier die Polizei verständigte, stellt ihn in der Reihe der Tatverdächtigen natürlich in erste Reihe; bei den Nachforschungen des Ermittlers kommt auch Davids frühere Profession rasch ans Tageslicht, und er wird gebeten, die Ermittlungen zu unterstützen.

Wider besseres Wissen willigt David ein; aber unter der Auflage, dass seine Mitarbeit ein Geheimnis bleibt. Schon nach kurzer Zeit ist auch klar, dass es sich bei der gefundenen Toten tatsächlich um Sally handelt; der Aufruhr im kleinen Dorf ist groß.

Noch größer allerdings wird die Aufregung, als wenige Tage danach erneut eine junge Frau verschwindet, diesmal eine Einheimische; ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, sie noch lebend zu finden, und bald schon verdächtigt im Dorf jeder jeden...

"Die Chemie des Todes" ist ja ein Mega-Bestseller und wird von fast allen Lesern ausgesprochen positiv bewertet. Megaspannend, glaubwürdig, ein wenig eklig-gruselig sind die Kommentare, die dazu abgegeben werden... und denen ich mich ehrlich gesagt nicht anschließen kann.

Ich hatte, zugegeben, wohl auch eine etwas andere Erwartungshaltung an diesen Krimi. Ich hatte vermutet, dass gerade die forensische Arbeit, die Spezialisierung David Hunters eine wesentlich ausgeprägtere Rolle spielen würde, aber das ist eigentlich so richtig nur zu Beginn des Romans zur Identifizierung der Toten der Fall, zur Aufklärung trägt das wenig bei.

Und der Rest... nun, da fand ich, dass sich ein Klischee an das andere reiht. Angefangen von der persönlichen Verwicklung der Hauptfigur (die Frau, in die er sich hier gerade frisch verliebt, gerät natürlich auch ins Visier des Mörders) bis zur Art, wie der Verdacht zwischendurch auf einzelne Figuren gelenkt wird. Und natürlich erst recht das Ende, das ich auf der einen Seite vorhersehbar, auf der anderen Seite psychologisch ziemlich an den Haaren herbeigezogen fand (zur Erläuterung, ohne zu spoilern: es gibt zwei Aspekte der Auflösung, und darauf bezieht sich meine Aussage).
Auch die Dorfgemeinschaft und die daraus resultierenden Spannungen empfand ich als recht klischeehaft.

Kurzum: für mich hat dieser vielgepriesene Krimi bei weitem nicht das gehalten, was er versprochen hat, und eine Fortsetzung ist für mich nicht interessant.

Simon Beckett

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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