Susanne Fröhlich - Der Tag, an dem Vater das Baby fallen ließ

Originaltitel: Der Tag, an dem Vater das Baby fallen ließ
ChickLit. Ullstein Verlag 2003
226 Seiten, ISBN: 3548256821

Das Jahr ist gerade mal vier Tage alt, und schon habe ich einen Abbruch zu verzeichnen.

Die Geschichte klingt nach Stoff für einen guten Familienroman: der Vater beugt sich aus dem Fenster, das Baby auf dem Arm - und das Kind stürzt hinaus in den Garten und stirbt. Für die verbleibende Familie ist von da an nichts mehr, wie es war. Der Unglücksfall steht fortan zwischen den Eltern. Petra, die Älteste, steckt mitten in der Pubertät und wollte eigentlich ihre erste große Party feiern, stattdessen wurde an ihrem Geburtstag der kleine Junge begraben.

Aber was Susanne Fröhlich daraus macht, hat mich so gar nicht angesprochen. Der Tonfall ist mir für die Handlung viel zu schnodderig, bei den jüngeren Mädchen (aus Sicht der Jüngsten wird der Roman erzählt) ist keine Spur von Trauer um den toten Bruder zu finden, sondern nur Genervtheit angesichts der Veränderungen und Überlegungen, wie sich jetzt für sie daraus Kapital schlagen lässt, wenn es das Baby nicht mehr gibt.

Ein Familienurlaub in Italien soll alles richten und die Familie wieder zusammenschweißen. Nach ein paar Tagen in einem italienischen Touri-Badeort mit nervigen Strandnachbarn, Sonnenbränden und Gequengel verspricht der Vater den beiden jüngeren Töchtern, ein Federballspiel kaufen zu gehen und trifft in dem Souvenir- und Spielzeugladen doch ausgerechnet auf seinen Vater, der vor Jahrzehnten seine Mutter verlassen hat. Der erkennt den Sohn auch sofort wieder (klar doch) und plaudert fröhlich aus dem Nähkästchen.

Und da verließen sie ihn ... an der Stelle hatte ich keine Lust mehr auf das belanglose Geschreibsel, das mir vorkam wie der Versuch einer Tragikomödie, aber ohne das notwendige Gespür für die Dosierung von Ironie und Schnodderton. Die Personen agieren hölzern und sprechen völlig unglaubwürdig.

Aus einem Satz drei oder vier zu machen, ist auch kein guter Stil: "Außerdem brachte er uns immer etwas mit. Bei jedem Besuch. Meistens Colafläschchen. Jedem sein eigenes Tütchen. Mit genau gleichviel Fläschchen." Argh!

Das war mein erstes und gleichzeitig letztes Buch von Susanne Fröhlich. Ich weiß schon, warum ich die bei ihren TV-Auftritten nicht mag - ihre Schreibe passt zu ihrer Persönlichkeit *nerv*

Susanne Fröhlich

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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