Francoise Dorner - Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Originaltitel: La douceur assasine
Roman. Diogenes 2007
144 Seiten, ISBN: 3257066031

Dieser Titel war im diesjährigen Diogenes-Vorschauenpaket enthalten; ich muss zugeben, ich hätte ihn ansonsten wahrscheinlich nicht gelesen. Der Klappentext sprach von einer Begegnung zwischen einem alten, einsamen Mann und einer jungen Frau, dazu der Titel "Die letzte LIebe... " - nein, nicht schon wieder so eine Geschichte, wie man sie ja auch bei den amerikanischen Autoren zur Genüge findet, wo selbstverständlich auch der älteste Mann noch die schönste junge Frau anzuziehen versteht...

Doch dann kam das alles ganz anders. Nein, so ein Buch ist dieser kurze Roman wirklich nicht; es ist eher eine weitere Amelie-Variante. (Es kennt doch schließlich jeder diesen Film von Amelie, die sich in Paris mit vielen sonderbaren, aber dann umso liebenswerteren Menschen umgibt... das hat, finde ich, einen richtigen Boom an Büchern und Filmen ausgelöst, die vor allem herzerwärmend, ein wenig schrullig und trotz allen Kitsches liebenswert sind.)

Als Monsier Armand und Pauline sich zum ersten Mal begegnen, ist es eine einfache Geste der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit - sie reicht ihm seinen Stock, der ihm beim Bremsen des Busses aus der Hand gefallen war. Es ist für Monsieur Armand das erste Mal seit langem, dass er sich von einem Menschen wahrgenommen fühlt; seit dem Tod seiner Frau lebt er einsam in seiner Wohnung in Paris, den Haushalt erledigt eine Zugehfrau, seine Kinder wohnen weit weg und kümmern sich beide nicht sonderlich um ihn. Freunde hat er keine; und sein früherer Lebensinhalt, die Bücher, sind ihm, seit ihm das Leben nicht mehr wichtig ist, ebenfalls langweilig geworden.

Schon die kurze Begegnung mit Pauline gibt ihm Auftrieb; er versucht, sie wiederzufinden, und tatsächlich gibt es kurz darauf eine weitere zufällige Begegnung, und nun erhält er auch die Visitenkarte ihres Geschäfts. Er besucht sie, eine Verkäuferin; die INhaberin des Ladens vermutet sofort Paulines Großvater in ihm, und tatsächlich scheint sich etwas wie eine familiäre Beziehung zwischen den Beiden zu entwicklen.

DOch Pauline ist jung, sie lebt, sie will geliebt werden; und für Armand ist sie die Befreiung, endlich den Mut aufzubringen, mit seinem Leben Schluss zu machen.

Was ihm erstmal nicht gelingt, soviel sei hier noch verraten; aber doch diesen Entschluss gerät in seiner Umgebung eine ganze Menge in Bewegung, und auch er erkennt langsam, dass er in seinem Leben zu oft die falschen Prioritäten gesetzt hatte...

Trotz meiner Vorurteile (ich mochte ja zum Beispiel den Amelie-Film nicht) war das dann ein ausgesprochen herzerwärmendes kleines Büchlein, das ich mit viel Freude und Empathie gelesen habe. Keine hohe LIteratur, aber so richtig was fürs Herz!

Francoise Dorner

Francoise Dorner, geboren 1949 in Paris, ist Schauspielerin gewesen und hat fürs Theater geschrieben. Heute widmet sie sich ganz dem Schreiben und lebt in Paris

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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