Toni Morrison - Sehr blaue Augen

Originaltitel: The Bluest Eye
Roman. Rowohlt Verlag 2000
171 Seiten, ISBN: 3499228548

Sie fühlen sich irgendwie schuldig, die beiden Erzählerinnen in diesem Buch; woran, das wissen sie selbst nicht so genau. Aber da war dieser Herbst, 1941, in dem die Ringelblumen nicht aufgehen. Und in dem Pecola, ein schwarzes Mädchen, in Kind von ihrem Vater bekam, das bald darauf starb. Wie auch der Vater. Und wenn sie nur so blaue Augen hätte, wie die Puppen, dann wäre wohl alles nicht passiert…

Aus wechselnder Perspektive wird hier berichtet, wie es dazu kam; dabei verzichtet die Autorin darauf, zu stark auf die Empathiebereitschaft der Leser zu spekulieren, sondern hält sie im Gegenteil auf Distanz.

Ich war beim Lesen gezwungen, mich intellektuell mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen; und gerade die Tatsache, dass man auch den Vater von einer Seite kennenlernt, die völliges Verdammen ausschließt, macht es dem Leser so schwierig, sich zu positionieren.

Der Spagat dabei ist für mich, dass man dann eben dennoch nicht anfängt, alle zu entschuldigen; das, was geschieht, wird nicht gerechtfertigt. Es wird nur der Weg dahin erklärt...

Toni Morrison

Toni Morrison (eigentlich Chloe Anthony Wofford; * 18. Februar 1931 in Lorain, Ohio) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur und erhielt 1993 den Literaturnobelpreis für ihr Gesamtwerk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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