Karin Alvtegen - Scham

Originaltitel: Skam
Roman. Diverse 2006
350 Seiten, ISBN: 349924196X

Monika ist erfolgreiche Chefärztin und hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann - nur mit Beziehungen tut sie sich schwer wegen der Schuldgefühle, die sie quälen, seit ihr Bruder mit 17 bei einem Brand ums Leben kam, den sie verschuldet zu haben glaubt. Doch seit einiger Zeit ist sie zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich verliebt.

An Maj-Britt ziehen die Tage gleichförmig vorbei. Unsäglich übergewichtig hockt sie in der Wohnung, voller Hass und Bitterkeit auf ihre Umwelt, und erträgt die Besuche der Krisenhilfe-Mitarbeiter nur, weil sie ohne fremde Hilfe ihren Alltag nicht mehr bewältigen kann. Was niemand weiß: tief drinnen quälen sie immer noch schreckliche Erinnerungen an Scham, Demütigung und Schuldgefühle aus ihrer Jugend und der Zeit ihrer Ehe.

Dann werfen zwei Ereignisse die beiden Frauen, die sich nie gesehen haben, völlig aus der Bahn und führen sie letztendlich zusammen: Maj-Britt erhält einen Brief von einer Freundin aus alten Zeiten, der sie wider Willen mitten ins Herz trifft und sie zwingt, über die schlimmen Erinnerungen nachzudenken. Monika entgeht durch Zufall einem tödlichen Autounfall, plagt sich deshalb erneut mit Schuldgefühlen und glaubt, um jeden Preis etwas wieder gutmachen zu müssen.

Das Buch ist kein Thriller, wie es meine Bibliothek etikettiert hat. Es ist auch kein Krimi, wie man es von Frau Alvtegen gewohnt ist. Vielmehr erinnert der Roman an die spannenden psychologischen Studien von Barbara Vine. Auch hier blickt man in die Seelenabgründe der Protagonistinnen, die in ihren Erinnerungen und daraus resultierenden negativen Gefühlen so gefangen sind, dass man sie manchmal schütteln möchte, erlebt ihre Obsessionen und Abneigungen hautnah mit, bis sich die Lebenswege der beiden schließlich kreuzen und sich ihrer beider Leben unwiderruflich dadurch verändert.

Die Auflösung des Buches hat mich nicht völlig überzeugt, doch davon abgesehen ist es eine lesenswerte Charakterstudie zweier Frauen, die völlig verschieden sind und sich doch in ihrem tiefsten Innern ähneln.

Karin Alvtegen

Karin Alvtegen, 1965 geboren, ist die Großnichte von Astrid Lindgren. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm und arbeitete zuletzt als Drehbuchautorin. Von der schwedischen Presse wurde sie bereits mit Henning Mankell und Liza Marklund verglichen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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