Erika Pluhar - Verzeihen Sie, ist das schon die Endstation. Gelesen von Erika Pluhar und Peter Simonischek

Originaltitel: Verzeihen Sie, ist das schon die Endstation. Gelesen von Erika Pluhar und Peter Simonischek
Hörbuch - Roman. Hoffmann & Campe 2001
4 CDs, ISBN: 3455303994

"Verzeihen SIe, ist das schon die Endstation?" mit diesen Worten wendet sich eine nicht mehr ganz junge Frau an einen ebenfalls schon reifen Herrn, der mit ihr in der Straßenbahn sitzt.

Aus dieser harmlosen Frage entwickelt sich bald ein beliebiger Austausch über das gewählte Ziel; eine Einladung zum Kaffee folgt, man unterhält sich ein wenig, die Frau erzählt, dass sie, die Prager Tochter eine Wienerin, nun das erste Mal in dieser Stadt ist; ihr Deutsch ist ausgezeichnet, aber gemeinsam amüsiert man sich doch über ein paar typisch umgangssprachliche Bemerkungen, die sie dann doch nicht kennt.

Über all dem harmlosen Geplänkel geht das Gespräch dann aber bald in eine privatere Ebene über; von ihrer Arbeit erzählt erst Nelly, die am Theater als Sekretärin beschäftigt ist; leidenschaftlich verteidigt sie die Schauspieler, nicht ahnend, dass ihr Gegenüber, Rudolf Smelik, lange Jahre Dramaturg am Wiener Burgtheater war.

Immer persönlicher werden die Fragen, die Smelik Nelly stellt; und auch wenn sie mehrmals nahe dran ist zu gehen, erzählt sie ihm schließlich doch von ihrer Ehe, ihrem ersten Liebhaber und der einen großen und nicht lebbaren Liebe - und er ihr von der Frau, bei der er viel zu spät bemerkte, was sie ihm eigentlich bedeutete...

Es mag manchmal seltsam erscheinen, dass diese Form der Offenheit in so kurzer Zeit erreicht wird, aber wenn die Wellenlänge stimmt hat man das ja selbst auch schon ähnlich erlebt. Das Hörbuch ist dabei auch wirklich gut gemacht; die beiden sprechen miteinander, schweigen auch mal einen Moment, man hört es, wenn plötzlich ein Thema angeschnitten wurde, das der eine nicht vertiefen möchte, auch die vielen Rauchpausen sind akustisch nachzuvollziehen.

Dass mir persönlich die Geschichte dann gegen Ende, als Smelik von seiner verlorenen großen Liebe erzählt, etwas zu melodramatisch wurde, ist eine andere Sache. Insgesamt aber hat Erika Pluhar hier eine sehr leise, kleine Geschichte erzählt. Sehr angenehm empfand ich auch, dass hier nicht zwei junge Menschen, sondern schon reife, mit Lebenserfahrung und grauen Haaren, zu Wort kommen.

Erika Pluhar

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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