Abe Opincar - Am Abend, als ich meine Frau verließ, briet ich ein Huhn

Originaltitel: Fried Butter. A Food Memoir
Roman. SchirmerGraf 2006
196 Seiten, ISBN: 3865550339

Ein Geruch nach gebratenen Spiegeleiern ruft Erinnerungen wach - beim Erzähler dieser in meinen Augen fälschlicherweise als "Roman" titulierten Sammlung von kulinarischen Erinnerungen ist es ein Geruch, der zu seiner Kindheit gehört, zu seinen, wenn man so will, vorgeburtlichen Erinnerungen, da doch seine Mutter in der Schwangerschaft diese kleinen Sonnen mit Leidenschaft verzehrte.

Aber ob es nun Spiegeleier sind, oder ob er über Basilikum spricht und von den in verschiedenen Völkern damit verbundenen Riten spricht, und dabei immer wieder Zusammenhänge aufzeigt, die mir bislang fremd geblieben waren: stets umweht ein Hauch leichter Schwermut diese Geschichten.

Es sind Geschichten über die Entfremdung; die meisten Essensgeschichten sind gleichzeitig Erinnerung an eine Heimat, in der man sich nicht mehr befindet, deren kulinarischen Genüsse man aber so weit es geht versucht zu retten. Und das sind auch die stärksten Texte in diesem Zusammenhang; weil sie die Kraft, die aus einem guten Essen kommen kann, ebenso deutlich machen, wie das Stück Heimat, das sie bedeuten.

Abe Opincar ist als Kind rumänisch-jüdischer Eltern an der kalifornisch-mexikanischen Grenze aufgewachsen und danach sehr viele Jahre durch die Welt gereist. Er hat mit wachen Sinnen beobachtet - und mit Leidenschaft immer auch gekocht und gegessen.

Für meinen ganz persönlichen Geschmack sind die einzelnen Passagen zu anekdotenhaft aneinandergereiht, ergeben zu wenig Handlungsbogen, um tatsächlich den Titel "Roman" zu verdienen. Der englische Originaltitel "A Food Memoir" trifft da meiner Meinung nach viel besser zu. Und ganz die tragikomische Qualität der ersten beiden Kapitel kann er auch nicht durch den gesamten Text halten; aber ich freue mich dennoch, dieses Buch gelesen zu haben.

Abe Opincar

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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