Christine Nöstlinger - Das Leben ist am schwersten zwei Tage vor dem Ersten

Originaltitel: Das Leben ist am schwersten zwei Tage vor dem Ersten
Roman. Diverse 2005
304 Seiten, ISBN: 3853263852

Zumindest in Österreich ist Christine Nöstlinger als Kinderbuchautorin sehr sehr bekannt; ich bin mit Dschi Dsche-i Wischer aufgewachsen, habe dann auch als Erwachsene die diversen Geschichten vom Franz mit großem Vergnügen vorgelesen und mein Rezept für Kartoffelgulasch stammt aus ihrem "Mit zwei linken Kochlöffeln". Dann hatte ich im Frühjahr in der Verlagsvorschau gelesen, dass ein Buch für Erwachsene von ihr rauskommen sollte, eine heitere Familiengeschichte hatte ich mir darunter vorgestellt, ausgestattet mit dem schönen, manchmal wunderbar boshaften Witz, den ich von ihr seit Kindertagen kenne.

Aber leider ist das ein gänzlich anderes Buch; es sind kleine Kolumnen, die sie wohl irgendwann irgendwo veröffentlicht hat, und auch die Tatsache dass von Euro etc. die Rede ist verhindert nicht den Eindruck, es mit wirklich uralten Texten zu tun zu haben.

Diese kleinen, wohl lustig sein wollenden Geschichten strotzen nur so von einer Geschlechtereinteilung, die ich für mich so einfach nicht mehr sehe. Dass bei fast dreihundert Seiten dann doch auch hin und wieder Überlegungen angestellt werden, bei denen man das Gefühl hat "naja, ganz unrecht hat sie da nicht" ist nur ein schwacher Trost.

Denn ansonsten wird unter dem Deckmantel der modernen, aufgeklärten Frau trotzdem an Klischees bedient, was man sich nur wünschen kann; die arme, völlig ausgenutzte und unbedankte Hausfrau, der Pascha, die undankbaren Kinder...

Schade, ich hatte auf ein paar vergnügliche Stunden gehofft und habe es eigentlich nur zu Ende gelesen, weil mein Kopf heute morgen erkältungsbedingt zu tiefschürfenderer Lektüre nicht fähig war.

Christine Nöstlinger

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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