Paul Nizon - Das Fell der Forelle

Originaltitel: --
Roman. Suhrkamp Verlag 2005
124 Seiten, ISBN: 3518417118

Der Ich-Erzähler heißt Frank Stolp, stammt aus einer berühmten Luftakrobatenfamilie und erbt plötzlich von einer Tante eine Wohnung in Paris. Die Inbesitznahme der Tantenwohnung will ihm aber nicht so recht gelingen, die viele alte Möbel, die Tantenpelze, unzählige Erinnerungen usw. bedrängen ihn. Luft bekommt er indem er durch die Straßen von Paris streift und sich nach und nach ein Bekanntenuniversum erobert. Die anfängliche Panik macht allmählich einem Glücksgefühl Platz und der Erkenntnis, dass er, wie seine Vorfahren, fürs Fliegen bestimmt ist.

Was es mit dem Fell der Forelle auf sich hat möchte ich hier nicht verraten, es gehört zum Zauber des Buches, das teilweise auch witzig ist. Und überhaupt, ist das ein Buch, das nicht auf Handlung aus ist, sondern auf Stimmung, auf Nachdenken. Nizon meinte in dem oben erwähnten Interview, er versuche mit jedem Buch nicht nur eine Botschaft, sondern auch eine seelische Verfassung zu vermitteln.

Und somit sind wir bei der Sprache, es gibt wunderbare Formulierungen, zum herrschenden Schwebegefühl passend. Es passiert viel auf der metaphorischen Ebene, alles hat seine Bedeutung, das ist ein Buch, das man langsam genießen soll.
Hier ein paar Kostproben:

„Ich ging in einem ewigen widerlichen Sonntag durch die Werktagswelt der anderen und trug die Scham meiner Überflüssigkeit wie einen Trauermantel.“ (S. 43)

„Wieder auf der Straße merkte ich, dass ich in der Cafébar […] etwas vergessen hatte. Ich hatte da ein Gefühl vergessen, das mir die Musicbox zugespielt hatte, ein Gefühlswickelkind.“ (S. 17)

„Andere haben ein Herz, ich an der Stelle eine Forelle“ (S. 45)

Fazit: eine große Empfehlung meinerseits für alle, die Lust haben, dem Sprachakrobaten Nizon zu folgen.

Paul Nizon

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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