Judith Kuckart - Kaiserstraße

Originaltitel: Kaiserstraße
Roman. Dumont Literaturverlag 2006
320 Seiten, ISBN: 3832179569

Am Anfang war ich von dem flüssigen Stil der Autorin wirklich angetan, das Buch hatte Tempo, es erzählte die Lebensgeschichte eines einfachen Mannes (Leo Böwe, Waschmaschinenvertreter) auf dem Hintergrund der politischen und vor allem wirtschaftlichen Änderungen in Deutschland in den 50-er / 60-er Jahren und in Rückblenden sogar seine Kindheit während des Krieges.

Mit der Zeit kamen immer mehr Personen dazu, Leo Böwe hatte Familie, Freunde, Arbeitskollegen, das Wirtschaftswunder schritt fort und irgendwann hatte ich das Gefühl, der Autorin dienen die Personen nur als Marionetten, um im Eilschritt die gesellschaftliche Entwicklung vorzuzeigen

Ihre Leben sind zu einfachen Strichen geworden, das Innenleben fast verschwunden hinter den vielen Ereignissen, die sie durch alle Medien und Methoden erreichten: Nachrichten, Radiosendungen, Gespräche, Zeitung usw. Dass das Buch auch als Vaterroman zu bezeichnen ist, ist mir dadurch fast entgangen. Vater und Tochter sind sich völlig fremd, ihre Lebenswege kreuzen sich in manchem Bahnhof usw, all das schön durch die Autorin gestrickt.

Man merkt, das ist ein ambitioniertes Buch, es steckt bestimmt auch viel Recherchearbeit dahinter, was vielleicht sogar zu vordergründig geworden ist.

Leider kann man es auch als Informationsquelle nicht gut gebrauchen – ich bin immer froh, etwas neues über meine Wahlheimat zu erfahren -, die Ereignisse sind teilweise nur angedeutet, so dass man sie kennen muss, um sie identifizieren zu können.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass Leser, die die Zeit erlebt haben, durch den persönlichen Bezug dem Buch mehr abgewinnen können.

Fazit: ein gut zu lesendes Buch, eine zeitgenössische Geschichte Deutschlands im Eiltempo. Mir sind leider dabei die Leute mit ihrem inneren Leben abhanden gekommen, deswegen von mir keine wirkliche Empfehlung.

Judith Kuckart

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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