Christian Gailly - Ein Abend im Club

Originaltitel: Un soir au club
Roman. Berlin Verlag 2004
141 Seiten, ISBN: 383330300X

Eigentlich sollte Simon Nardis mit dem letzten Zug nach Paris zurückfahren. Aber dann war der Auftrag noch nicht erledigt, und in der Wartezeit auf den nächsten ließ er sich in einen Jazzclub einladen - und seine ganze festgefügte, solide und leere Existenz gerät ins Wanken. Noch einmal verspürt er den Zauber des Jazz, der ihn vor 10 Jahren fast vernichtet hätte; noch einmal verliebt er sich, Hals über Kopf - und weiß dabei doch, dass er zurückkehren sollte zu seiner Frau, die ihn damals gerettet hatte.

Dieser Ausbruch eines Mannes, der seine Berufung verleugnet hat, ist thematisch großartig umgesetzt; mit der Sprache des schmalen Romans hatte ich vor allem im ersten Teil meine Probleme, da mir die sehr kurzen Sätze zu unmusikalisch erschienen, was sich danach ändert.

Unmittelbar nach dem Lesen hatte ich ja noch den Eindruck, dass die Geschichte des Aufbruchs eines innerlich absterbenden Mannes an sich ganz gut wäre, ich nur die Sprache nicht mag (und auch die Art und Weise nicht, wie sich am Schluss alles so wunderprächtig löst), doch nach nochmaliger Lektüre bleibt ein immer schalerer Nachgeschmack.

Christian Gailly

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©10.06.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing