Isabelle Duquesnoy - Das Tagebuch der Constanze Mozart

Originaltitel: --
Roman. Diverse 2007
494 Seiten, ISBN: 3548266363

Die achtzehnjährige Constanze Weber ist unglücklich, sie hält sich für die unattraktivste und unbegabteste der vier Weber-Mädchen, muss wegen Blutungen das Bett hüten - und ist heimlich verliebt in den Angebeteten ihrer Schwester Aloisia, den jungen, begabten Komponisten und Musiker Wolfgang Amadeus Mozart.

Während Mozart auf Konzertreise in Frankreich ist, verliebt sich Aloisia in einen anderen, und allmählich nähern sich Wolfgang und Constanze einander an.

Gegen den Willen von Mozarts Vater heiraten die beiden. Doch die glänzende Zukunft, die jeder Mozart vorausgesagt hat, tritt nicht ein, im Gegenteil fällt er in Ungnade, ist gesundheitlich angeschlagen und kämpft mit einem Schuldenberg.

In vielen Mozart-Biographien gilt Constanze als habgierige, faule Person, die Mitschuld an Mozarts Niedergang trägt. Hier sieht man sie einmal von der anderen Seite, eine Frau, die unter ihrer herrschsüchtigen Mutter genauso leidet wie unter der kühlen Zurückweisung durch Schwiegervater und Schwägerin, die von vielen Schwangerschaften ausgelaugt und vom Tod mehrerer Kinder gequält ist (von sechs Kindern überleben nur zwei das Säuglingsalter).

Das luxuriöse Leben, auf das Mozarts anfangs hofften, weicht bald ständigen Existenzängsten und schweren gesundheitlichen Problemen bei Mozart und Constanze.

Wir begleiten Constanze von der ersten Verliebtheit bis zum traurigen Höhepunkt, Mozarts Tod am 5. Dezember 1791. Das "Tagebuch" ist dem Stil der Zeit entsprechend abgefasst, zwischendurch sind Originalbriefe von Mozart eingestreut, die aufgrund seiner eigenwilligen Orthographie ein wenig schwer zu lesen, aber sehr interessant sind.

Anfangs wirkten diese Einsprengsel noch recht bemüht, mit der Zeit fügen sie sich aber immer besser ins Gesamtbild ein. Ein wenig gestört haben mich die häufigen Fäkalausdrücke, die allerdings zu jener Zeit wohl gang und gäbe waren (Mozart war diesbezüglich ja auch kein Kind von Traurigkeit). Einiges war schon recht abstoßend geschildert, zu Beginn tat ich mir damit ziemlich schwer.

Für Leser, die sich zuvor noch nicht mit Mozarts Lebensgeschichte befasst haben, wären ein paar Erläuterungen zu einigen Personen von Vorteil, da viele Namen von Hofbediensteten, Freimaurerbrüdern oder Mitgliedern der feinen Wiener Gesellschaft einfach in den Raum gestellt werden, ohne dass man sie richtig zuordnen kann.

Insgesamt ist der Roman ein gelungenes, gut recherchiertes Bild jener Zeit, im Anhang finden sich umfassende Verweise auf Fachliteratur. Abgesehen von den beschriebenen Abstrichen habe ich das Buch mit zunehmendem Vergnügen gelesen. Constanze und Mozart werden beide recht sympathisch geschildert, gegen Ende flossen bei mir auch ein paar Tränchen.

Isabelle Duquesnoy

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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