Christian Schünemann - Der Bruder. Ein Fall für den Frisör

Originaltitel: Der Bruder. Ein Fall für den Frisör
Krimi. Diogenes 2008
274 Seiten, ISBN: 3257237235

2006 war Tomas Prinz das erste Mal nicht nur als angesagtester Frisör Münchens in Erscheinung getreten, sondern durfte auch seine kriminalistische Kombinationsfähigkeit unter Beweis stellen. Nun, zwei Jahre später, war der Schrecken der damaligen Zeit verdaut; was dagegen immer noch Bestand hatte, war die Beziehung zu Aljoscha. Und dieser lebte immer noch in Moskau - wo auch Prinz sich gerade aufhielt, als er den Anruf aus dem Salon erhielt. Ein Mann wäre dagewesen, ein seltsamer Mann, der etwas von ihm gewollt hätte, aber nicht sagen wollte, was. Irgendwie bedrohlich habe dieser Mann gewirkt - und seine Wiederkehr angekündigt.

Tatsächlich tauchte der Fremde dann auch bald erneut auf - und hatte schwer verdauliche Nachrichten für Prinz. Er wäre der uneheliche Sohn des alten Prinz… und somit sein Halbbruder. Nach anfänglichem Schrecken fängt Tomas langsam an, diesen Jakob Zimmermann als Tatsache zu akzeptieren, stellt ihn auch der Schwester, Regula vor, und denkt ernsthaft darüber nach, ihn mit in die Schweiz zu nehmen, zu seiner verwitweten Mutter.

Dieser Jakob macht sich denn auch rasch in Tomas´ Leben breit. Alle vermag er zu bezaubern, sowohl die Kinder seiner Schwester, als auch Bea, Tomas´ langjährige Mitarbeiterin. Aber irgend etwas ist faul an diesem Mann; es gibt immer wieder Situationen die erkennen lassen, dass er bisher nur eine kleine Facette seiner Persönlichkeit hat erkennen lassen. Da lädt er die neugefundenen Geschwister zu einer Vernisage seiner Bilder in eine Galerie ein - und dann wird er dort gar nicht ausgestellt, ist aber damit beschäftigt, die Gläser der Gäste zu füllen und wird kurz danach bei einem heftigen Streit mit den Galeristen beobachtet. Und wer ist die wunderschöne Frau, die man immer wieder im Zusammenhang mit ihm sieht?

Als - durch Tomas´ und Aljoschas Vermittlung - der künstlerische Durchbruch Jakobs nur noch einen Hauch entfernt liegt, wird er plötzlich tot aufgefunden - eindeutig ermordet, und zwar mit viel Hass ermordet. Und Tomas merkt, dass es wohl an ihm liegt, die vielen wirren Fäden zu verknüpfen um diesen Fall zu lösen…

Während ich den ersten Fall um den schwulen Firsör noch ziemlich überflüssig fand, habe ich mich mit dem zweiten Teil erstaunlich gut unterhalten. Sei es, dass die persönliche Verwicklung des selbsternannten Ermittlers in den Fall dessen Schnüffeleien glaubwürdiger machten, sei es auch, dass die Handlung an sich sehr viel mehr meinen Nerv traf - ich fand vor allem, der Autor habe sich auch in der Spritzigkeit seiner Dialoge und der Handlungsführung sehr gesteigert.

Wenn die Reihe sich auf diese Weise fortsetzt, dann werde ich mit Vergnügen auch die weiteren Bände lesen.

Christian Schünemann

Schnüemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik und absolvierte die Evangelische Journalistenschule in Berlin, wo er heute auch lebt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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