Friedrich Dönhoff - Savoy Blues. Ein Fall für Sebastian Fink

Originaltitel: Savoy Blues. Ein Fall für Sebastian Fink
Krimi. Diogenes 2008
313 Seiten, ISBN: 3257237472

Ja, natürlich ist er etwas nervös, als er an diesem Tag das Polizeipräsidium betritt. Immerhin ist es sein erster Tag als Hauptkommissar - und noch dazu als jüngster Hauptkommissar Hamburgs. Sebastian Fink ist gerade mal 34, sehr ehrgeizig und gewillt, zu zeigen, dass sein Alter kein Nachteil ist.

Schon nach wenigen Stunden im Dienst wird er denn auch mit seinem ersten Fall betraut - ein alter Mann soll getötet worden sein, wahrscheinlich von seinem Krankenpfleger, der ihm Insulin statt einer Vitaminspritze verabreicht hat. Ein leichter Anfang? Nun, sein Vorgänger Lenz hatte ein ungutes Gefühl - der meinte nämlich, das könne einer jener Fälle sein, die so klar wirken und die man unter Umständen nie wirklich aufklären kann.

Was rasch feststeht ist, dass der alte Mann tatsächlich eine falsche Spritze erhalten hatte - und dass der Krankenpfleger dafür nicht verantwortlich war. Wer also dann? Wer könnte ein Interesse haben, einem pensionierten Postboten das Leben zu nehmen, noch dazu, ohne bei der Gelegenheit in der Wohnung zumindest die wenigen halbwegs wertvollen Gegenstände mitzunehmen?

Wer weiß, ob der Fall hätte gelöst werden können, wenn nicht - ja, wenn nicht in diesem heißen Sommer ein Lied in den Radiostationen rauf und runter gespielt worden wäre. Savoy Blues, ein alter Jazztitel - neu gemixt von einem alten Mann, DJ Jack, der nun auf einmal groß rauskam und auch auf zig Fernsehsendern plötzlich zu sehen war. Auch Fitzek hatte ihn in einer Sendung bewundert, die er gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Anna und deren Sohn Leo angesehen hatte. Hatte sich an der Vitalität und Lebenslust des Mannes erfreut - um am nächsten Morgen zu hören, dass er nur wenige Stunden danach ganz plötzlich verstorben wäre.

Es ist nur ein vages Gefühl - aber es lässt Fink nicht los. Tatsächlich stellt sich heraus, dass auch DJ Jack eine Insulinspritze erhalten hatte. Was aber haben der Star und der Postbote gemein? Wo ist ihr Verbindungspunkt, und vor allem: gibt es noch mehr Menschen, die mit ihrem baldigen Tod rechnen müssen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…

Eine neue deutsche Krimistimme - nun wird also auch Hamburg mit einem sehr sympathischen Kommissar beglückt. Als Hintergrund für seinen ersten Fall hatte der Autor sich der unerschöpflichen Quelle von erlittenem Unrecht, dem Naziregime, bedient. Er macht das nicht schlecht, es hat den Teil, den er hier präsentiert, mit Sicherheit gut recherchiert, und einen Aspekt beleuchtet, der noch weniger bekannt war.

Aber es ist eben dennoch so, dass späte Rache für Geschehnisse in der Nazizeit irgendwie auch ein bereits sehr ausgewalztes Thema sind. Aus Lesersicht hoffe ich daher, dass Dönhoff seinen Kommissar in den nächsten Fällen mehr in der Gegenwart ankommen lässt - Hamburg bietet bestimmt auch so genug Stoff für spannende Krimis!

Friedrich Dönhoff

Geboren 1967 in Hamburg, in Kenia aufgewachsen. Nach seinem Studium der Geschichte und Politik und der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich als Autor von Biographien sowie dem Bestseller "Die Welt ist so, wie man sie sieht" einen Namen gemacht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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