Alonso Cueto - Die blaue Stunde

Originaltitel: La hora azul
Roman. Berlin Verlag 2007
352 Seiten, ISBN: 3827006724

Adrian Ormache führt ein glückliches Leben. Er ist erfolgreicher Anwalt, mit einer schönen Frau glücklich verheiratet, hat zwei reizende Töchter; von seinen reichen Schwiegereltern werden sie regelmäßig zu Traumurlauben eingeladen, das Verhältnis zu seiner eigenen Mutter ist eng und herzlich.

Doch nun ist seine Mutter tot; zur Trauer über diesen Verlust kommt aber bald ein ganz anderes Gefühl. Denn in den Unterlagen seiner Mutter findet er auch Hinweise darauf, dass diese schon seit vielen Jahren erpresst wurde - erpresst, weil der Vater ihrer Kinder, von dem sie sich schon vor vielen Jahren getrennt hatte, während des Kampfes gegen den Terror des "Leuchtenden Pfads" nicht nur seine Pflicht erfüllt hatte, sondern in seiner Grausamkeit noch weiter gegangen war.

Im konkreten Fall ging es um eine junge Frau, die er in der Kaserne gefangen gehalten hatte, die er als sein Eigentum, seine Beute behalten hatte (während es sonst üblich war, die Frauen gemeinschaftlich so lange zu vergewaltigen, bis sie starben). Dieser Frau war es gelungen, zu entkommen.

Und gegen jedes bessere Wissen macht Adrian sich auf, diese Frau zu finden, von der er dann von Kameraden seines Vaters in Erfahrung bringt, dass dieser sie tatsächlich geliebt habe. Es dauert lange, bis er sie tatsächlich findet, bis sie sich bereit erklärt, mit ihm zu sprechen. Sie ist nicht alleine, sie hat ein Kind, einen Sohn - ob es Adrians Bruder sein könnte, darüber will sie keine Auskunft geben.

Aber Adrian verfällt der jungen Frau ohnehin; er setzt seine Karriere, seine Ehe aufs Spiel...

Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Perus, das hier im Roman behandelt wird. Aber leider wurde es für mich auch nicht so intensiv behandelt, wie ich es mir gewünscht hätte; mich haben auch die einzelnen Figuren, vor allem auch Adrian, nicht wirklich fesseln können. Wobei mich wahrscheinlich hautpsächlich gestört hat, dass anstelle einer wirklichen Auseinandersetzung mit den Taten des Vaters so rasch die Erfüllung der männlichen Libido trat und somit nur noch die Frau eine Rolle spielte, nicht mehr der Schrecken festzustellen, dass man der Sohn eines grausamen Offiziers ist.

Auch bei diesem Roman hatte ich - wie auch bei einem zuvor gelesenen, ebenfalls aus dem Spanischen übersetzten Roman - keine rechte Freude an der Sprache. Kurze Sätze, wenig Melodie in der Sprache; ob es am Original oder der Übersetzung lag, kann ich nicht beurteilen, es sprach mich nur nicht besonders an.

Dennoch - den Roman kann ich, mit Abstrichen, allen empfehlen, die ein gewisses Grundinteresse an Lateinamerika mitbringen.

Alonso Cueto

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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