Alejando Palomas - So viel Leben

Originaltitel: Tanta vida
Roman. Bloomsbury Berlin 2007
317 Seiten, ISBN: 3827007100

Es sind die Frauen, die am Ende eine Familie zusammenhalten, Frauen, die dafür zuständig sind, dass es in Krisensituationen ein Netz gibt, das zumindest ein bisschen Halt gibt in schwierigen Situationen.

Und schwierige Situationen gibt es genug... Beatriz zum Beispiel ist zu ihrer Mutter zurückgekehrt, um sich von ihr pflegen zu lassen, jetzt mit ihrer Gürtelrose. Dass sie von ihrem Mann verlassen wurde - nicht für eine andere Frau, für einen anderen Mann - konnte sie bislang niemandem erzählen.
Aber ihre Großmutter Menica, die ebenfalls gerade von Lia gepflegt wird, weil ihre andere Tochter Flavia, bei der sie normalerweise lebt, sich das Bein gebrochen hat, lockt es rasch aus ihr heraus, dieses Geheimnis.

Und Ines, Beatriz zweite Tochter? Auch sie hat ein Geheimnis, ihr Geheimnis heißt Sandra, und seither ist auch ihre Ehe keine mehr, der gemeinsame Sohn ihr entzogen.

Aber auch Lia, dieser Fels in der Brandung, die sie hier alle pflegt, auch Lia hat ihren großen Kummer, ihren wahnsinnigen Schmerz - die Trauer um die Tochter Helena, die eines Tages beim Segeln im Meer ertrank.

Und sie alle, auch die kranke Großmutter, kommen dann im nächsten Jahr nach Barcelona, um Ines und Jorges beizustehen beim Abschied von ihrem Sohn, der an Leukämie erkrankt ist. Beatriz ist mittlerweile schwanger, weiß nicht, ob sie das Kind behalten will, behalten kann - es ganz alleine aufziehen, ob sie die Kraft hat, ihm genug Liebe zu geben. Und wie sie hier mit dem werdenden Leben im Bauch ihrer Schwester gegenübertreten kann, die ihres grade verliert.

Ja, es ist ein Buch mit sehr vielen melodramatischen Momenten, und diese haben ihre Wirkung auf mich auch nicht verfehlt; wie könnte man auch NICHT mitfühlen, wenn eine Familie sich am Bett eines kleinen, todkranken Jungen versammelt?

Aber wirklich begeistert hat das Buch mich dennoch nicht. Mir war vor allem die Sprache sehr viel zu derb; Großmutter Menica hat eine Vorliebe für fäkale Anspielungen, die Frauen lachen sich kringelig, weil die Großmutter sich in ihrem Pelz eingepinkelt hat, um nur ein Beispiel zu nennen - das spricht mich nun mal einfach nicht an.

Auch diese geballte Häufung von Katastrophen und tragischen Schicksalen war ein wenig zu viel für mich, insgesamt gesehen. Aber trotzdem habe ich den Roman nicht ungern gelesen.

Alejando Palomas

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.04.2007 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing