Barbara Vine - Aus der Welt

Originaltitel: The Minotaur
Roman. Diogenes 2007
464 Seiten, ISBN: 3257065507

Es ist mittlerweile ein paar Wochen her, seit ich dieses Buch gelesen habe. Kerstin Kvist, eine junge Schwedin, hatte es der Liebe wegen nach England verschlagen. Das Angebot, in einer Familie den geisteskranken Sohn zu betreuen klang nach einer leichten Aufgabe, die ihr noch Raum genug lassen würde, die Sprache zu lernen und ihren Freund Mark zu besuchen.

Was Kerstin zuvor nicht wusste: der Familiensitz der Coswigs lag am Land, weitab von jeglicher Zerstreuung. Und das Problem sollte weniger der autistisch wirkende Sohn (der im Übrigen Erbe des Hauses und des meisten Geldes war) werden, sondern die dominante Mutter sowie die beiden ebenfalls im Haus lebenden Schwestern. Beide konnte man unter dem Begriff "alte Jungfer" abstempeln. Es gab auch noch eine dritte Schwester, die es durch eine Heirat zu einigem Geld gebracht hatte. Auch sie tauchte regelmäßig im Haus aus,hatte sich hier ihr eigenes Refugium aufgebaut.

Soweit war alles in einem - wenn auch prekärem - Gleichgewicht. Kurz nachdem die älteste Tochter sich mit dem ortsansässigen Pfarrer verlobt hatte, zog ein Maler ins Dorf. Das erhitzte die Gemüter; dieser freimütige, unverschämte und auch noch gutaussehende Mann zog die Frauen geradezu an. Das heißt: sein Auge hatte er eigentlich erst auf Kerstin geworfen, die seinem Charme jedoch nicht erlag. Aber zwischen den Schwestern entbrennt bald die heftigste Eifersucht...

Es stimmt, dieser Roman gehört bestimmt nicht zu den Besten von Barbara Vine, aber ich habe ihn dennoch ganz gerne gelesen. Allerdings habe ich festgestellt, dass es zu den Büchern gehört, die man beinahe schon wieder vergessen hat, ehe man sie noch zu Ende gelesen hat. Zwar ist es der Autorin auch hier gelungen, die Rivalitäten innerhalb einer Familie ganz gut zum Ausdruck zu bringen, aber der Plot als solcher vermochte nicht zu überzeugen, das ganze Drama erschien irgendwie überzogen.

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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