Pascale Kramer - Abschied vom Norden

Originaltitel: L´adieu au nord
Roman. Arche Literaturverlag 2007
256 Seiten, ISBN: 3716023671

In einem verlassenen Dorf in Nordfrankreich gibt es für die siebzehnjährige Patricia nicht viel Abwechslung. Mit Luce, einem etwas jüngeren Mädchen, sitzt sie dann meistens auf den Stufen vor dem Eingang des Lebensmittelladens ihres Vaters und wartet darauf, dass Jean mit seinen Arbeitern kommt.

Jean hat eine Kressezucht; sein Bruder Alain arbeitet bei ihm, dann noch Serge, der Wochenendalkoholiker, und der Engländer Sven.

Patricia hat ein Auge auf den verheirateten Jean geworfen; als sie ihn nicht erreicht, fängt sie etwas mit Alain an.

Es ist eine seltsame Beziehung, die diese beiden hier eingehen; das junge Mädchen und der eigentlich altersmäßig schon erwachsene Mann, der dennoch nicht so recht ins Leben passt.

Als Patricia beschließt, nach Irland abzuhauen und dort Au Pair zu spielen, kommt er mit, obwohl er weder die Sprache spricht noch Arbeit hat...

Der Klappentext spricht hier von einer "zerstörerischen Liebe". Liebe allerdings habe ich in diesem Roman nicht gefunden, nur eine unglaubliche Trostlosigkeit und Langeweile, die durch ein bisschen körperliche Lust - und auch die sehr spärlich - und das Klammern an die wenigen Möglichkeiten, die sich gerade bieten, ein bisschen auflockern.

Nein, es ist kein schönes Buch, keines, das zu Herzen geht. Es ist ein Buch über Menschen, die sowohl in ihrer wirtschaftlichen als auch in ihrer persönlichen Entwicklung am Rand stehen, auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters beschränkt sind.

Was der Autorin aber ausgezeichnet zu vermitteln gelang ist diese unglaubliche Trostlosigkeit - und dafür wiederum lohnt es sich, ihr dabei zuzusehen.

Pascale Kramer

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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