Lilian Faschinger - Stadt der Verlierer

Originaltitel: Stadt der Verlierer
Krimi. Hanser Literatur Verlag 2007
320 Seiten, ISBN: 3446208178

Eine Geisteswissenschaftlerin als Privatdetektivin mit einer Mutter, die als Reinkarnationstherapeutin arbeitet und einem ehemaligen Friseur als Assistenten: das ist Emma Novak, und sie ist die Person, bei der im Endeffekt alle Fäden dieses Romans zusammenlaufen.

Zu ihr nämlich kommt eines Tages eine erfolgreiche Geschäftsfrau und bittet sie, ihren Sohn ausfindig zu machen; sie hatte ihn bei der Geburt zur Adoption freigegeben, sie war erst sechzehn damals... und die Eltern hatten sie dazu gedrängt. Die Familie, die ihn adoptiert hatte, wusste ebenfalls nichts mehr über seinen aktuellen Verbleib; der Kontakt war abgebrochen, es gab da wohl ein paar Vorfälle.

Und das Einzige, was über ihn noch bekannt war, war ein Verhältnis mit einer älteren Frau, aber auch das war schon einige Jahre her.

Aber das Muster funktionierte immer noch, wie man als Leser zu diesem Zeitpunkt schon weiß; er macht sich gerne an ältere Frauen heran, wohnt eine Weile bei ihnen, lässt sich aushalten, geht, wenn es ihm zuviel wird, und weiß doch, dass er in fast allen Fällen auch wiederkommen kann, wenn er mal wieder ein Dach über dem Kopf braucht.

Aber die junge Frau, die er ihm Lainzer Tiergarten gefunden hatte, halbtot, Alkohol und Tabletten, und die dann zu ihm kam, sich zu bedanken - die ist anders, die lässt ihn nicht los, gerade weil sie ihn nicht in ihr Leben lässt.

Dass gleichzeitig dann auch seine Mutter in seinem Leben auftaucht und es dadurch auf einmal eine ganz merkwürdige Verbindung zu der jungen Frau gibt ist für alle fatal...

Was sich in der Zusammenfassung definitiv nach "too much" anhört, ist beim Lesen zum Glück gar nicht so schlimm; man lässt sich mitnehmen in dieser recht amüsant geschriebenen Verwirrgeschichte mit ihren zwar konstruierten, aber durchaus plausiblen Verknüpfungen. (dass die Privatdetektivin die Krimis von Ian Rankin liebt hat durchaus auch für eine kleine persönliche Anteilnahme gesorgt. Kein Buch, das man gelesen haben muss - aber doch eines, mit dem zumindest ich mich gut unterhalten habe.

Kein Krimi, obwohl es eine Detektivin und auch eine Leiche gibt; und doch auch kein "richtiger" Roman, zumindest in meinen Augen.

Lilian Faschinger

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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