Heinrich Mann - Professor Unrat. Gelesen von Dieter Mann

Originaltitel: Professor Unrat. Gelesen von Dieter Mann
Hörbuch - Roman. Argon Verlag 2005
7 CDs, ISBN: 3870240164

In der wunderbaren Reihe der Klassikereditionen bei ARGON ist auch "Professor Unrat" erschienen - wie üblich schon von der Aussttung her ein Genuss, eine hochwertige Verpackung, dazu ein interessanter Waschzettel und ein wirklich guter Sprecher.

"Hier riechts nach Unrat" hört Studienprofessor Raat immer mal wieder von hinten, wenn er durch die Schulgänge läuft; und obwohl er diesen Spitznamen schon seit so vielen Jahren ertragen muss, kann er sich nach wie vor nicht daran gewöhnen, ist es für ein eine Angelegenheit, die strengste Ahndung erfordert. Sein Ziel ist es, die Schüler zu erwischen, sie ranzukriegen; sein Leben ist die Schule, und eine schlimmere Strafe als von ebendieser zu fliegen kann er sich für seine Missetäter gar nicht vorstellen.

Drei Schüler machen ihm in diesem Jahr mit ihrer Aufsässigkeit besondere Probleme; in seinem Drang, sie dranzukriegen geht er sogar so weit, sich in eine Hafenspelunke zu begeben, in den "Blauen Engel", auf der Suche nach der Frau, für die einer der Schüler schwärmt.

Und richtig findet er sie hier auch, die Künstlerin Fröhlich und die drei Schüler; in seinem Drang, die Jugend von ihr fernzuhalten, sie auszustechen, verbringt er selbst bald immer mehr Zeit mit ihr und verfällt ihr.

Als sein Verhältnis zu ihr ruchbar wird, sieht der Schuldirektor sich nicht mehr in der Lage, den unmoralischen Lebenswandel dieses Professors den Schülern weiter zuzumuten. Unrat wird entlassen; er heiratet die Künstlerin Fröhlich, und nun beginnt eine Zeit, die man dem einst so lebensfremden Mann gar nicht zugetraut hätte.

Im Hause Unrat verkehrte nun die ganze Stadt; man kam, man ließ Geld da, man hörte der Künstlerin Fröhlich zu, man ließ sich oft genug auch ruinieren. Und nun hatte Unrat auch entdeckt, dass es noch weit vernichtendere Maßnahmen gab, als jemanden von der Schule zu werfen, und er nutzt seine Chance weidlich...

Es ist ein Wüten und ein Rasen, ein Vernichtungsfeldzug, der am Ende dann doch die zerschlägt, die ihn angezettelt haben. Sprachlich ein wenig altertümlich, auch in der Charakterzeichnung ein wenig holzschnittartig, überzeugt an dem Buch doch vor allem die Wandlung des sittenstrengen Professors zum Anarchisten - wobei, ist es wirklich eine Wandlung? Ist es nicht eher eine zuvor nicht ausgelebte Facette seiner Persönlichkeit?

Dieter Mann liest das nicht, er trägt es vor. Zuweilen wünschte ich mir im Dialog ein wenig mehr Spritzigkeit, aber dann, gerade wenn die Platt-Passagen gesprochen wurde, war ich wieder begeistert.

Ich hatte dann festgestellt, dass ich vom Roman damals in meiner Jugend entweder wirklich nur den Anfang gelesen oder zumindest nur den Anfang behalten habe; die weit interessantere Passage nach der Heirat war mir nicht erinnerlich.

Heinrich Mann

Luiz Heinrich Mann (* 27. März 1871 in Lübeck; † 12. März 1950 in Santa Monica, Kalifornien) war ein deutscher Schriftsteller und der ältere Bruder von Thomas Mann.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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