Jodi Picoult - Bis ans Ende aller Tage

Originaltitel: The Pact
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2006
517 Seiten, ISBN: 0340838221

Sie sind von Kindesbeinen an unzertrennlich: Chris Harte und Emily Gold. Chris Mutter Gus war dabei, als Emily geboren wurde, Chris wurde zu ihr ins Kinderbettchen gelegt. Sie waren wie Geschwister, sie waren die besten Freunde, und als sie älter wurden, wurde aus ihnen ein Liebespaar.

Völlig unverständlich trifft es daher alle in ihrer Umgebung, als eines Freitag abends sowohl die Hartes als auch die Golds einen Anruf aus dem Krankenhaus erhalten: man hatte die beiden gefunden, Emily mit einer Kugel im Kopf und Chris mit einer schweren Kopfverletzung. Sie wollten gemeinsam Selbstmord begehen erzählt Chris im Krankenhaus, doch nur Emily ist tot.

Nach dem Schock darüber, dass sie den Seelenzustand ihrer Kinder nicht erkannt hatten, kommt aber ein noch viel größerer: für die Polizei ist es gar nicht so klar, dass es sich hier um einen Selbstmordpakt handeln könnte. Im Gegenteil: sie vermuten, dass es sich um Mord handelt. Dass Chris Emily erschossen hat. Weil sie - was die Autopsie ergibt - schwanger ist...

Bis es zur Gerichtsverhandlung kommt, muss Chris ins Gefängnis. Und während er selbst dort mit sich und der Umgebung kämpft, spielt sich auch in diesen beiden einst so eng befreundeten Familien ein Drama ganz anderer Art ab.

Und auch wenn ich die Gründe für den Selbstmordwunsch Emilys, ihr Wunsch, immer nur die Erwartungen anderer zu erfüllen und sich dabei selbst zu verlieren, irgendwie nicht so ganz nachvollziehen konnte - obwohl sie gut geschildert wurden - war gerade das Auseinanderbrechen der Freundschaften zwischen den beiden Familien, die Probleme, die sich innerhalb der Ehebeziehungen daraus ergaben, für mich unglaublich emotional und packend geschrieben.

Ich habe mit Gus mitgelitten, als Emilys Mutter Melanie sie zurückweist, ihr vorwirft, dass Gus´ Kind zwar vielleicht unter Mordverdacht, aber immer noch am Leben ist; habe die Trauer von Emilys Vater Michael , der auch das Gefühl hat, neben seiner Tochter noch einen Sohn verloren zu haben, und der sich sogar von der Verteidigung als Charakterzeuge für Chris aufstellen lässt, nur zu gut verstanden. Melanie verhärtet sich, so sehr, dass sie sogar den einen Beweis vernichtet, der vielleicht ein wenig Licht ins Dunkle des Seelenzustands ihrer Tochter hätte bringen können, Emilys Tagebuch...

Auch wenn ich das Buch von der inneren Logik her nicht so gut fand wie "Beim Leben meiner Schwester", wenn die Fragestellung dahinter mir nicht so nahe kam - es war ein Buch, bei dessen Lektüre ich den Tränen sehr oft sehr nahe war. (O-Ton meines Freundes, wenn ich neben ihm plötzlich wieder mit feucht schimmernden Augen zu schlucken begann: "was liest du denn das weiter, wenn es dich so mitnimmt??")

Es war, wie schon erwähnt, weniger das eigentliche Drama mit dem Selbstmord und Chris und Emily, die mich berührt haben, als die beiden erwachsenen Elternpaare, die danach irgendwie versuchen müssen, sich mit dieser Tragödie zu arrangieren, was mich sehr sehr berührt hat.

Für mich war es das bislang zweite Buch dieser Autorin; ich hatte mir, als es einige ihrer Bücher mal zum Sonderpreis gab, gleich einen netten Vorrat angelegt und werde auch die anderen sicher in nächster Zukunft lesen.

Jodi Picoult

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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