Anthony McCarten - Superhero

Originaltitel: Death of a Superhero
Roman. Diogenes 2007
304 Seiten, ISBN: 3257065752

Donald Delpe ist 14. Und: er hat Krebs, Leukämie. Er wird sterben, er ist sich - im Gegensatz zu seinen immer noch hoffenden Eltern - dessen sicher. Alles, was er an Kommunikation ansonsten verweigert, zeichnet er. Er hat einen eigenen Superhero erfunden, Miracle Man, einen unsterblichen Helden, der genau das nicht sein will: unsterblich, unverletzlich.

Es gibt einen, der diesem Miracle Man immer wieder auflauert, ihm den Garaus zu machen versucht: Gummifinger.

Und Donald? Donald hat es eines Tages satt, die Übelkeit nach der Chemo, die wenigen Haare, die Versuche seiner Mutter, ihn zum Kämpfen zu ermutigen. Und weil sein geplanter Sprung von der Brücke vereitelt wird und seine Eltern nicht mehr wissen, wie sie noch an ihn rankommen könnten, wird er zu einem Psychiater geschickt, Dr. Adrian.

Dieser wiederum hat mit seinen ganz eigenen Problemchen zu kämpfen; seine wunderschöne Frau lebt lieber am Land und hat wohl einen ganz besonders intimen Kontakt zum Tierarzt.

Und bei aller Verschiedenheit zwischen Therapeut und Patient: irgendwann wächst der Junge ihm ans Herz, und dessen Verzweiflung darüber, dass ihm das Leben alle Dinge, die er noch erleben möchte, vorenthält, rührt ihn. Er will vor allem nicht sterben, ohne Sex gehabt zu haben. Und so greift der Therapeut zu einer sehr unkonventionellen, dramatischen Aktion...

Es gab sehr vieles, was mich an diesem Roman wirklich genervt hat. Die Sprache, die Dialogüberschriften, die Comicsequenzen (obwohl mir die dann irgendwann sogar doch gefielen); die anstrengenden Ansichten der Eltern usw. Aber es gab etwas, was mich trotzdem am Lesen hielt; es war die Frage, ob es sich in ein plattes Happy End auflösen würde, oder wie der Autor es doch noch weiterschafft.

Und so kam ich zu der Stelle, die mich dann auch für vieles entschädigte: die 50 Seiten oder so, die die Rettungsaktion Adrians und alles was darauf folgt umfasst. Das hat mich geradezu zu Tränen gerührt - und somit: ja, es ist ein Buch, das ich - zwar in Maßen, aber doch - weiterempfehlen kann. Für Freunde von "jugendlicher", neuer Literatur sicher gefallen wird, zB Leser von Joey Goebels.

Anthony McCarten

Anthony McCarten, geboren 1961 unter dem Vulkan Mount Taranaki im neuseeländischen New Plymouth, schrieb als 25jähriger mit seinem Freund Stephen Sinclair (Drehbuchschreiber der ›Herr der Ringe‹-Trilogie) ›Ladies Night‹, einen weltweiten Theaterhit um vier Loser ohne Job, Geld und Liebesleben, die eine Männerstrip-Gruppe gründen (2001 mit dem Molière für das beste ausländische Stück ausgezeichnet). Seither schrieb McCarten 11 weitere Theaterstücke, mehrere Drehbücher (u.a. ›Via Satellite‹, in McCartens Regie, Weltpremiere 1999 in Cannes), Gedichte, einen Kurzgeschichtenband und drei Romane, von denen der zweite (The English Harem), eine Tragikomödie über Liebe, Essen und Islam, auch im Nahen Osten für Furore sorgt und, von ITV verfilmt, 2005 in England ein Bestseller wurde. Anthony McCarten wohnt in Los Angeles, Wellington und im englischen Gloucestershire, wo er gegenwärtig die Verfilmung von ›Superhero‹ vorbereitet und seinen vierten Roman abschließt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©12.03.2007 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing