Barbara Nadel - Schleier des Todes

Originaltitel: Petrified
Krimi. List Verlag 2006
339 Seiten, ISBN: 3548606326

Kommissar Ikmen hat es diesmal mit einem Fall zu tun, der ihm besonders an die Nieren geht - zwei Kinder sind verschwunden, die Kinder des Künstlerehepaars Melih und Eren Akdeniz. Mit seinen provokanten Aktionen hat Melih nicht nur die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erlangt, sondern sich auch etliche Feinde zugezogen. Auch Ikmen kann nicht leugnen, dass dieser in seine Arbeit versessene, überhebliche Künstler ihm nicht sympathisch ist - doch ist er professionell genug, seine Sorge um die Zwillinge persönlichen Antipathien hintanzustellen.

Seine Kollegen haben es in der Zwischenzeit mit einem eher absonderlichen Fall zu tun - in der Wohnung einer toten alten alleinstehenden Frau befindet sich noch eine weitere Leiche, die eines jungen Mannes. Aber ganz davon abgesehen dass seine Identität Rätsel aufgibt, ist auch der Zeitpunkt seines Todes unklar - denn ganz offensichtlich liegt der schön etliche Jahrzehnte zurück...

Währenddessen versucht Inspektor Süleymann das organisierte Verbrechen zu bekämpfen und wird von einer aufreizenden Prostituierten mit Tipps versorgt. Das wird für ihn auch persönlich zu einem immer stärkeren Problem, da er seit der Geburt des gemeinsamen Sohnes von seiner Frau Zelfa nicht gerade zärtlich behandelt wird.

Und während die Ermittlungen in den drei Fällen immer weiter voranschreiten, hat Ikmen sich auch noch um den sterbenden Schwager in seiner Wohnung zu kümmern - und sich mit dem Problem auseinander zu setzen, dass seine Tochter Hülya sich in einen Juden verliebt hat. Für ihn würde diese Verbindung kein Problem darstellen - doch seine Frau Fatma ist eine strenggläubige Muslima...

Die persönlichen Verwicklungen in diesem Fall haben mich auch diesmal wieder sehr interessiert. Auch was man über die Entwicklung der einzelnen Stadtviertel nachlesen kann, ihre Bewohner, ihre Eigenheiten, ihre Konflikte; das aus Russland immer stärker vordringende organisierte Verbrechen wird ebenfalls sehr glaubhaft geschildert.

Neben der Tatsache, dass die Auflösung unglaublich grausam und die Vorstellung wahrhaft erschütternd ist, fand ich aber die Bezüge zur Religion, speziell den christlichen Religionen und ihren angeblichen Beerdigungsriten in diesem Fall zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Barbara Nadel

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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