Hannah Arendt - Eichmann in Jerusalem

Originaltitel: Eichmann in Jerusalem
Sachbuch. Piper Verlag 2006
435 Seiten, ISBN: 3492248225

Als Eichmann in Jerusalem der Prozess gemacht wird, ist Hannah Arendt als Beobachterin anwesend. In ihrem Buch schildert sie jedoch nicht nur den Prozess, sondern analysiert auch die Probleme, die schon alleine mit der Tatsache, dass dieser Prozess hier in Israel stattfand, einhergingen, die Einwände, die sie selbst dagegen vorzubringen hat, und bringt auch ihre Kritik an der Formulierung der Klage an sich vor.

In ausführlichen Etappen beschreibt sie dann das Leben Eichmanns, seine Karriere, seine Ambitionen; aus ihrem Bericht wird rasch klar, dass es sich bei Eichmann nicht um einen fanatischen Judenhasser gehandelt hat, der die Vernichtungsmaschinerie aus persönlichen Gefühlen so kräftig geschmiert hatte. Nein, seine Gründe waren wesentlich banaler - und damit um sovieles erschütternder: er wollte Karriere machen, und nachdem ihm nunmal diese Aufgabe übertragen wurde, hat er sie eben erledigt, ohne sich auf Ausnahmen einzulassen, oder irgendwelche Gefühle einzuschalten.

Für mich waren es vor allem die Schilderungen der Vorgehen in den unterschiedlichen Ländern, die mir zum Teil wirklich Neues geliefert haben; interessant war natürlich auch die heftige Reaktion, die dieses Buch in den sechzigern schon vor Erscheinen ausgelöst hatte.

Für mich war dieses Buch eine Pflichtlektüre, es wurde in einer meiner Lesegruppen besprochen - ich hätte es wohl sonst nicht gelesen, ich lese nicht so gerne Sachbücher, und ich mag auch nicht immer nur mit dem 3. Reich beschäftigt sein literarisch. Aber ich habe die Lektüre auf keinen Fall bereut, ich habe viel Interessantes gelesen, und auch wenn ich manchmal Hannah Arendts Gedankengänge nicht ganz teile, war ihre Argumentation für mich anregend.

Hannah Arendt

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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