Leo Perutz - Der schwedische Reiter

Originaltitel: Der schwedische Reiter
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2002
255 Seiten, ISBN: 3423131608

Ein historisch-phantastischer Roman und ich. Da mein Lesegeschmack hier ja hinreichend bekannt ist, wird die Frage nicht ausbleiben: wieso liest du dann diesen Roman von Leo Perutz, wenn doch schon die Grundvoraussetzungen so sind, dass dir das Buch nur missfallen kann? Tja - es wurde in unserer Lesegruppe ausgewählt...

Worum gehts? Kurz zusammengefasst: ein Dieb und Landstreicher und ein in Schlesien angesiedelter junger Mann, dem schwedischen König verpflichtet und selbstverständlich mit dem Wunsch, sich Ruhm und Ehre zu erwerben, zu den Waffen geeilt, kämpfen sich im bitteren Winter gemeinsam durch die Landschaft. Dem Dieb gebietet es die Landstreicherehre, den Jungen nicht einfach liegen zu lassen; dieser wiederum fühlt sich, nachdem er erst wieder Brot und Wein zu sich genommen hat, sofort wieder als Herr.

Und als solcher schickt er denn auch den Dieb los zu seinem Oheim, er solle ihm Geld und mehr beschaffen - denn in der Mühle, in der sie dieses einfache Nachtmahl vorgefunden, das sie nun am Leben erhalten hatte, wird plötzlich verlangt, dass sie dafür auch bezahlen...

Der Dieb, dem vom Müller ein zwar hartes, aber doch festes Auskommen an den Hochöfen des Bischofs versprochen worden war, nimmt diesen letzten Ausflug in der Freiheit dann an. Doch was er auf dem Gut vorfindet, ist ganz anders als alles, was er erwartet hatte. Vor allem trifft er eine junge schöne Frau, die ganz offensichtlich immer noch auf ihren Vetter wartet, der ihr einst ewige Liebe versprochen hatte.

Den Dieb ereilt die Liebe. Und er weiß auch, dass er sie gewinnen kann - wenn er nur an die Stelle des Junkers treten könnte, dem sie unverdientermaßen zufällt. Und so schafft er es durch eine List, die Identitäten zu tauschen...

Erstaunlicherweise hatte ich aber, nachdem ich mich erst einmal an die Sprache und die Geschichte gewöhnt hatte, sogar Interesse daran zu erfahren, wie es denn nun weitergeht, ich habe den Roman also zu Ende gelesen und fand ihn nicht, wie den anderen von Perutz, den ich einst genervt abgebrochen hatte, unlesbar.

Die Frage nach dem, was eine Identität, eine Person eigentlich ausmacht, nach den Zielen, die man verfolgt, nach den Möglichkeiten, die einem gegeben sind oder eben nicht, und was man selbst daran ändern kann, hatte durchaus seinen Reiz

Leo Perutz

Leo Perutz wurde 1882 in Prag geboren und siedelte 1899 mit der Familie nach Wien über 1938 emigrierte er nach Tel Aviv. Perutz starb 1957 in Bad Ischl. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen und ist in alle Sprachen der Welt übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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