Anne Fine - Feuer und Asche

Originaltitel: Raking the Ashes
Roman. Diogenes 2006
304 Seiten, ISBN: 3257065337

Tilly steht ihren Mann. Schon ihr Beruf ist ungewöhnlich genug; sie ist Sicherheitsverantwortliche auf diversen Ölplattformen, verbringt viel Zeit mit den Männern auf hoher See - und die Tatsache, dass sie verheiratet ist, hindert sie nicht daran, auch mit anderen Männern zu schlafen.

Ihre Scheidung ist dann irgendwann nur eine Formsache - eine ruhige, schmerzlose Trennung. Sie behält das Haus. Aber sie bleibt nicht lange alleine - denn bald schon zieht Geoff bei ihr ein. Geoff ist ein Traum von einem Mann; aufmerksam, liebevoll, romantisch, ein perfekter Liebhaber. Und er ist geschieden, bringt zwei Kinder mit in die Beziehung, die er dann an den Wochenenden sieht. Und hier fangen die Probleme dann langsam an...

Denn so liebevoll Geoff auch ist - ehrlich ist er nicht. Immer wieder muss Tilly bemerken, dass sie in so mancher Auseinandersetzung zwischen den Eltern als Sündenbock herhalten muss; sie darf die Kinder zwar mit betreuen, wird aber ganz selbstverständlich aus jeglichen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Und immer wieder, wenn sie ihren Geoff darauf anspricht, findet er eine neue Ausrede. Und ist in den Zeiten, da die Kinder bei der Mutter sind, aufmerksamer denn je, weiß genau, wie sie jede Stunde ihres Tages verbringt, interessiert sich selbst für die nebensächlichsten Details.

Tilly wehrt sich auf ihre Weise - sie sucht sich wieder andere Männer, sie teilt sich ihre Dienste ein, wie sie sie gerade braucht. Oft genug einfach nur, um wegzukommen von zu Hause, weg von den zwei Kindern und dem Vater, der die Augen vor so vielem verschließt.

Was sie dann aber nach der langen Krankheit von Francis, der Exfrau, herausfindet über Geoffs finanzielle Verhältnisse - das übersteigt dann sogar ihre Bequemlichkeit des Zusammenlebens mit dem perfekten Liebhaber, die sie bisher hat bleiben lassen. Und von nun an sinnt sie auf ein Mittel, wie sie ihn loswerden kann...

Es gibt wirklich viele gute, interessante Ansätze in diesem Buch. Zum Beispiel das Verhältnis der "Stiefmutter" zu den Kindern ihres neuen Partners, die Art, wie ihr Verhältnis durch die beiden beeinflusst wird, die Konflikte, die sich daraus ergeben. Gerade da Tilly auch nicht dem stereotypen Mütterchen entspricht waren da eine Menge Anknüpfungspunkte, die interessante Entwicklungen ermöglicht hätten.

Auch Tillys Charakter als solcher - sie ist kein wirklich netter Mensch, sie stürzt sich ziemlich gnadenlos auf die Fehler ihrer Mitmenschen - hätte da noch viel Potential geboten.

Aber leider hat die Autorin es vermieden, diese so wunderbar aufgebauten Chancen zu nutzen. Sie geht nicht in die Tiefe, und die Art und Weise wie sie ihre Geschichte schließlich enden lässt fand ich wirklich enttäuschend; sie setzt statt auf stille Psychologie plötzlich auf knallige Effekte.

Schade drum - denn in sehr vielen Passagen dieses Buches beweist die Autorin sehr genau was sie kann....

Anne Fine

Anne Fine wurde1947 in Leicester, England, geboren. Sie studierte Geschichte und Politikwissenschaft und lebte in Kanada und den Vereinigten Staaten. Heute wohnt sie in Durham, England.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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