Michelle de Kretser - Der Fall Hamilton

Originaltitel: --
Roman. Klett Cotta 2006
349 Seiten, ISBN: 3608937404

Eigentlich lautete sein Name Stanley Alban Marriott Obeysekere. Doch Stanley, das ist kein Name für einen Singhalesen. SAM wird er bald genannt, und irgendwann weiß keiner mehr, dass das nicht sein eigentlicher Name ist.

Sams Eltern führen eine für die Zeit typische Ehe; flatterhaft von Ort zu Ort, mit rauschenden Festen, in die sein Vater das Erbe verpulvert, mit charmanten Flirtereien (und mehr) denen die Mutter ihren Ruf verdankt.

Den ersten Teil seiner Kindheit verbringt Sam auf dem abgelegenen Landsitz der Familie, wohin es die Eltern höchstens einmal jährlich verschlägt. Danach folgt ein Internat - und spätestens jetzt wird aus Sam ein kleiner Engländer, der sich britischer fühlt als die Briten rundherum. Er studiert in London, lernt dort, dass er, um Erfolg zu haben, besser sein muss als die Engländer. Unmittelbar nach dem Examen stirbt sein Vater, und Sam kehrt nach Colombo zurück.

Nur, um dort zu erfahren, dass seine Schwester Claudia ausgerechnet den einen Mann heiraten will, gegen den er schon seit Schulzeiten Hass empfand; den Mann, der ihn damit aufzog, dass in seinem Namen das Obey, das Gehorchen, ja schon enthalten sei...

Ach ja, und dann gab es da diesen Mordfall. Ein Brite, Teepflanzer, war ermordet worden, unter Verdacht standen die Kulis - und nur Sams Scharfsinn, geschult an britischen Krimis, war es zu verdanken, dass dann tatsächlich ein Brite für diese Tat vor Gericht stand.

Doch obwohl es genau diese Tat war, die seinen Ruhm steigerte, war es auch der Umstand dass er, Sam, auf die Schuld eines Briten gesetzt hatte, die ihn von den gesellschaftlich relevanten Positionen ausschloss, auch dann noch, als die Briten anfingen, auch Einheimische mit wichtigeren Positionen zu beehren.

Dieser Fall, der Fall Hamilton, ist auch für das Buch titelgebend; von den bislang von mir gelesenen 250 Seiten nimmt er vielleicht 10 ein.

Aber während der Beginn, Sams Tagebuchaufzeichnungen, die mit dem eigentlichen Fall enden, für mich noch sehr flüssig und spannend zu lesen waren, wurde es danach immer zäher, üppiger, "Urwaldlianen gleich" wie es sinngemäß am Klappentext zu lesen ist. Aber dieses Üppige, in dem immer nur Episoden im immergleichen Wust ersticken, hat mich weniger und weniger gefesselt, und so habe ich nun, kaum 50 Seiten vor dem Ende, beschlossen, auch dieses Buch nur angelesen wegzulegen... trotz der guten Kritiken im Netz, die ich mir noch rausgesucht hatte, um vielleicht noch ein bisschen Lesemotivaton zu erhalten.

Michelle de Kretser

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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