Carmen Laforet - Die Insel und die Dämonen

Originaltitel: La isla y los demonios
Roman. Claassen 2006
334 Seiten, ISBN: 3546004019

Dass am Festland der Bürgerkrieg das Land verheert, davon merkt man in Las Palmas kaum etwas. Viele haben sich freiwillig gemeldet und kommen nur im Urlaub zurück auf die Insel; das ist aber auch schon alles. Ansonsten ist das Leben hier weiterhin ruhig und friedlich.

In dieser abgeschiedenen Welt wächst auch Marta heran; mit ihren 16 Jahren träumt sie davon, Schriftstellerin zu werden, sie schreibt die Sagen der Insel neu und flieht damit auch ein wenig vor ihrer missgünstigen, eifersüchtigen Schwägerin Pino. Diese ist ohnehin unglücklich; Martas Mutter wegen, die nach dem Tod ihres Mannes einen derartigen Schock erlitt, dass sie seither nur noch apathisch vor sich hin stiert, lebt die Familie am Land auf der schönen Finca, und nicht im Stadthaus, wo Pino auch etwas Zerstreuung finden würde.

Aber nun hat sich ja Abwechslung angesagt: Die Verwandten vom Festland kommen, fliehen hierher, weil sie sonst keinen Platz mehr haben. Und sie, die Künstler, die einst so erfolgreichen, sind nun gezwungen, sich der sehr missgünstigen Gastfreundschaft auszusetzen. Ja, José lässt es seinen Onkel spüren, dass er einst als Kind schlecht behandelt wurde; jede Missachtung, jede Beleidigung gibt er nun zurück.

Mit den Verwandten war auch ein junger Maler auf die Insel gereist. Und in ihn verliebt sich Marta - aber auch ihre Tante...

So wenig fesselnd der Plot an mancher Stelle ist, die Einzelheiten der Beschreibung, vor allem des Innenlebens dieses jungen Mädchens, das plötzlich zur Frau wird, haben mir sehr gut gefallen. Das Gefühl, nicht verstanden zu werden, anders zu sein als die Menschen in der Umgebung, wurde sehr einfühlsam in Worte gefasst. Zudem bietet das Buch einen Einblick in eine Inselwelt, in das abgeschiedene Leben, in dem Nachrichten immer erst mit Verzögerung eintreffen und die Gesellschaft einer natürlichen Konstanz ausgesetzt ist.

Zwar hat die Liebesgeschichte an sich mich kalt gelassen, aber die Lektüre habe ich als sehr anregend empfunden.

Carmen Laforet

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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