Alfred Komarek - Narrenwinter

Originaltitel: Narrenwinter
Krimi. Haymon Verlag 2006
208 Seiten, ISBN: 3852185106

Daniel Käfer ist dem Leser schon aus den beiden Romanen Die Villen der Frau Hürsch und Schattenuhr bekannt. Darin wird geschildert, wie der einst ausgesprochen erfolgreiche Medienmensch nach einer beruflichen Niederlage an den Ort seiner Kindheitssommer zurückkommt, ins Salzkammergut - und sich bei diesen langen Aufenthalten nicht nur mit Land und Leuten (neu) anfreundet, sondern auch in Geschichten verwickelt wird, die sehr lange zurückreichen.

Diesmal nun ist Käfer eigentlich gekommen, weil er - nachdem alle anderen beruflichen Optionen erstmal gescheitert sind - sich auf ein Projekt stürzen will, dass er gemeinsam mit seiner Freundin Sabine geplant hat: einen großen Fotoband über das Salzkammergut, in dem auch viel über die alten Bräuche stehen soll.

Da darf natürlich ein ausführlicher Beitrag über das Faschingstreiben nicht fehlen; Faschingstage sind Ausnahmetage. Das merkt Käfer denn auch gleich, als er mit seiner geliebten Ente (ohne funktionierende Heizung) im fast schon heimischen Bad Aussee ankommt - und auf "seinem" Parkplatz ein wuchtiges schweres Auto vorfindet. Das auch noch einem Freund von ihm gehören soll, wie ihm Maria Schlömmer gleich erzählt: Bruno Puntigam, mit dem er einst studierte. Und der in der Zwischenzeit ganz schön Karriere gemacht hat - ein Umstand, den er ganz selbstlos mit Käfer zu teilen beabsichtigt. Denn seine aktuelle Aufgabe wächst ihm ein wenig über den Kopf, und er hat es geschafft, im Konzern durchzusetzen, dass er einen zweiten Mitarbeiter, einen ihm gleichrangigen, hinzuziehen darf. Nach kurzem Zaudern willigt Käfer auch tatsächlich ein - und stürzt sich mit Feuereifer auf die Aufgabe, noch ehe er auch nur einen Vertrag unterzeichnet hat. Der Taktiker Puntigam springt ihm dann auch bei, übernimmt die Vermittlung zwischen Käfer und dem Verlag…

Und in der Zwischenzeit stürzt Käfer sich mit Sabine ins bunte Faschingstreiben in Bad Aussee - und auch in Ebensee. Denn von daher stammt die Frau von Sepp, Christine, und mit den beiden hat er sich kurzentschlossen angefreundet, nachdem Sepp ihn davor bewahrt hatte, mit seiner Ente in den Fluss zu fahren. Die Ente ist hin, und mit Sepp ist auch irgendwas nicht in Ordnung - aber was, darüber will er nicht sprechen.

Die Andeutungen, die Käfer dann den berühmten Faschingsbriefen entnimmt - eine Eigenart des Faschings hier, in dem Lust und Unmut und Getratsche ihren Platz finden - lassen Käfer aber ganz bang werden, und er versucht auch ohne Hintergrundwissen zu helfen..

Anfangs hatte ich - wie auch schon bei den vorherigen 2 Büchern - ein Problem mit dem etwas betulichen, fast schon entrückten Schreibstil. Nach einer Weile gewöhnt man sich aber daran. Und danach hatte ich durchaus meinen Spaß an diesem Roman; auch wenn dieser Spaß weniger aus einer gut geplotteten Handlung stammt als aus der Freude am Wiedersehen mit alten Bekannten und ihren kleinen Eigenarten wie zB der Maria Schlömmer mit ihrem fremdgehenden, wortkargen Ehemann; und natürlich entspringt meine Hauptfreude den schönen Schilderungen der Landschaft und alten Bräuche des Salzkammerguts.

Die sind mit sehr viel Geschichts- und Hintergrundwissen unterfüttert, lebendig dargestellt (auch wenn ich persönlich so manches als nicht ganz so lebendig sehen würde, aber das sei dahingestellt). Es ist fast ein Heimatbuch, eine Brauchtumsbewahrung in einer Form, die sowas wie ein Krimi sein soll, dabei aber diesen Rahmen nicht mehr richtig in eine Form zu geben weiß.

Das ist für mich leider auch das Manko an diesem Roman - das, was den Handlungsbogen ausmachen soll empfand ich als ausgesprochen schwach konstruiert und aufgebaut, und wenn man dann bis zur Lösung vordringt kann man sich eines leicht abschätzigen Schnaubens wohl nicht erwehren.

Dennoch - ich hatte meinen Spaß und werde auch den vierten (und wohl letzten?) Teil der Reihe noch lesen. Wirklich empfehlenswert ist er aber wohl eher für diejenigen, die am Salzkammergut interessiert sind.

Alfred Komarek

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee, lebt und schreibt in Wien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©28.11.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing