Isabel Allende - Mein erfundenes Land

Originaltitel: Mi Pais Inventado
Roman. Suhrkamp Verlag 2006
201 Seiten, ISBN: 3518459430

Ich habe dieses Buch am Wochenende (Anfang Dezember 2006) zu Ende gelesen - zu einem Zeitpunkt also, als Pinochet noch am Leben war. Aber das nur als kleine Randbemerkung - es war für mich eine nicht bewusst nach Aktualität ausgewählte Lektüre, über deren Bezug zur Zeitgeschichte ich dann aber doch auch ganz froh war.

Isabel Allende lebt nun schon seit 25 Jahren in den USA; auch davor war sie, schon als Kind, immer wieder umgezogen, von einem Land ins nächste, war im Libanon gewesen, in Venezuela, hatte sich mehrfach wenn sie zurück in Chile war geschworen, nicht wieder ihre Wurzeln zu kappen und an einen neuen Ort zu ziehen. Aber als sie sich mit Mann und Kindern und Job eigentlich eingerichtet hatte kam es zum Putsch - und zum darauffolgenden erneuten Aufbruch, mit allen Konsequenzen.

Isabel Allende beschreibt hier den Ort, den sie Heimat nennt - und der so eigentlich auch nur in ihrem Inneren existiert. Sie erzählt, wieviel von ihrer eigenen Familiengeschichte in das "Geisterhaus" eingeflossen ist, erklärt auch, warum sie in ihrer Familie teilweise nicht so wohl gelitten ist (weil sie eben allen Klatsch und Tratsch weiterverwertet und nicht für sich behält).

Aber vor allem versucht sie, Land und Leute zu beschreiben. Sie versucht es - aber in meinen Augen ist das eigentlich der Teil des Buches, der ihr am wenigsten gelingt. Für mich sind ihre Beschreibungen "wir Chilenen sind so oder so oder so und denken so und handeln so usw" viel zu eindimensional und plakativ, um wirklich interessant zu sein. Wenn sie diese Haltung aufgibt - und zum Glück des Lesers geschieht das gar nicht so selten - dann kommen zum Teil aber sehr interessante Einblicke in ein Stück Alltag Chiles daraus hervor; und gerade zur Zeit ist sicher interessant, was denn damals in den 70ern zur Regierungszeit von Salvador Allende geschah und wie das mit dem Putsch war usw.

Ich fand es eine vor diesem Hintergrund interessante, wenn auch nicht immer überzeugende Lektüre. Wichtig zu wissen ist vielleicht auch noch, dass der Erinnerungsband auf Spanisch bereits 2003 erschien, somit einige der letzten Entwicklungen noch nicht absehbar waren.

Isabel Allende

Isabel Allende, 1942 in Lima / Peru geboren, hat seit ihrem achtzehnten Lebensjahr als Journalistin gearbeitet. Nach Pinochets Militärputsch ging sie ins Exil, wo sie ihren Weltbestseller "Das Geisterhaus" schrieb

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©13.12.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing