Linn Ullmann - Ein gesegnetes Kind

Originaltitel: --
Roman. Droemer 2006
384 Seiten, ISBN: 3426197340

Molly, Erika und Laura sind Halbschwestern. Jahrelang haben sie jeden Sommer gemeinsam mit ihrem Vater und dessen zweiter Frau, Ruth (Lauras Mutter) auf einer kleinen Insel in Schweden verbracht, auf Hammersö. Jeden Sommer wurden Erika und Molly erneut von ihren Müttern darauf vorbereitet, die Launen des Vaters stoisch hinzunehmen - bis zu jenem einen Sommer, an dem die Kindheit jäh endete.

Nun, viele Jahre später, nach dem Tod von Ruth, lebt Isak ganz alleine auf Hammersö, nur versorgt von einer Frau aus der Nachbarschaft. Und Erika hat sich entschlossen, ihn zu besuchen, mit ihm zu reden; auch von ihren Schwestern wünscht sie, dass auch sie aufbrechen, doch die sind beide mit ganz anderen Problemen beschäftigt.

In Rückblenden erlebt man dann diese Sommer der Vergangenheit; erlebt den despotischen Vater, der es nicht duldet, dass in der Draußen-Zeit jemand sich dem Haus auch nur nähert, um danach liebevoll und geduldig mit ihnen zu spielen.

Sie sind nicht die einzigen, die sich jeden Sommer auf der Insel einfinden. Auch eine Clicque Mädchen in Erikas Alter ist jeden Sommer da; und auch Ragnar ist jeden Sommer da, der gleichzeitig mit Erika Geburtstag hat, Ragnar, der von den anderen Inselkindern verhöhnt und verspottet wird, und mit dem Erika deshalb eher heimlich befreundet ist. Wie gut und wie eng diese Freundschaft ist, das will sie niemandem verraten...

Mein Urteil über dieses Buch ist etwas zwiespältig.

Auf der einen Seite gibt es wunderbare Schilderungen von Teenager-Terror, vom Erwachen der ersten Sexualität, vom unbedingten Wunsch, dazuzugehören - diese Passagen sind eindringlich und dabei doch sehr still und unaufdringlich, einfach großartig gelungen. Auch die Szene, die das Rätsel am Ende auflöst, die dramatische grausame Szene, über die ich hier gar nicht mehr verraten will, ist mit poetischer Sprache und einem berührenden Bild wirklich herausragend gelungen.

Aber irgendwie wird während der gesamten Lektüre eine Art von Erwartungshaltung geschürt, die auch am Ende nicht erfüllt wird. Wäre nur die Kindheitsgeschichte erzählt worden, es wäre ein großartiges Buch geworden.
Aber die Verbindungen in die Gegenwart, die Geschichten über die Geschwister - das alles fügt sich nicht zu einem Ganzen und hat mich gegen Ende immer mehr befremdet, weil ich es weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart wirklich verankert sah.

Mich würde sehr interessieren, wie andere dieses Buch verstanden und gelesen haben! Im Perlentaucher (Vom Nachttisch geräumt) wurde es ja geradezu hymnisch gelobt.

Linn Ullmann

Linn Ullmann, 1965 geboren, ist die Tochter von Liv Ullmann und Ingmar Bergmann. 1999 erschien ihr international gefeierter Roman "Die Lügnerin". 2002 folgte "Wenn ich bei dir bin". Linn Ullmann ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Oslo.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©19.12.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing