Val McDermid - Das Moor des Vergessens

Originaltitel: The Grave Tattoo
Krimi. Droemer 2006
537 Seiten, ISBN: 3426197359

Jane Gresham schlägt sich mit einer halben Dozentenstelle an der Uni und einem Aushilfsjob als Kellnerin gerade so durch, um sich ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere ermöglichen zu können. Dafür nimmt sie auch in Kauf, sich nur eine winzige Wohnung in einer üblen Londoner Gegend leisten zu können; wie übel, das will sie ihrer Familie im idyllischen Lake District gar nicht zu genau sagen.

Aber die spannenden Nachrichten kommen dann erstmal doch aus dieser Gegend und nicht aus der Großstadt: der fortwährende Regen hat eine Leiche freigegeben, die da schon seit mehreren hundert Jahren gelegen haben muss. Und sofort branden die alten Gerüchte wieder auf, mit denen Jane schon als Kind großgeworden ist: dass der berühmte "Meuterer der Bounty", Christian Fletcher, tatsächlich nicht in der Südsee gestorben, sondern hierher zurückgekommen ist. Er könnte es schließlich sein, der da im Moor gefunden wurde?

Das bringt Jane nun aber auch in Zugzwang, sich langsam wirklich um etwas zu kümmern, was sie bislang hauptsächlich als ihren ganz persönlichen Traum angesehen hatte: sie war überzeugt, dass der berühmte Dichter William Wordsworth, der mit Fletcher zur Schule gegangen war, diesen nach der Meuterei noch einmal wiedergesehen hatte und auch über den tatsächlichen Hergang geschrieben hatte. Im Sommer hatte sie zur Stützung dieser Theorie einen Brief im Archiv gefunden, der bislang nicht katalogisiert war; und nun erhält sie tatsächlich die Gelegenheit, die Forschungen - wenn auch nur für zwei Wochen - zu intensivieren.

Einer ihrer Kollegen und Freunde an der Uni, Dan, unterstützt sie dabei nach Kräften. Doch es ist wie verhext: keiner will etwas von dem Manuskript wissen. Und jeder der alten Menschen, die sie besuchen, scheint kurz danach an Herzversagen zu sterben...

Es ist kein typischer McDermid-Krimi - aber dafür ein Roman, den ich trotz etlicher Überzeichnugen (die Geschichte mit Tenille zB ist einfach zu überzeichnet und für den Handlungsfortgang eigentlich auch nicht nötig) mit viel Spaß gelesen habe. Die Spannung wird aus derselben Quelle bezogen, wie sie auch Antonia S. Byatt mit "Besessen" heranzog: die Entdeckerlust, zu einer literarischen Persönlichkeit noch ein unbekanntes, neu erhellendes Detail hinzufügen zu können, dem wissenschaftlichen Betrieb, der darum herum stattfindet, und dann, in diesem Fall, natürlich auch aus der Bounty-Geschichte an sich.

Natürlich kann man "Besessen" und diesen Krimi hier nicht wirklich miteinander vergleichen; aber Lesespaß bieten beide auf jeden Fall!

Mir zumindest hat "Das Moor des Vergessens" wirklich gute Unterhaltung geboten - und ich empfehle es sehr gerne weiter.

Val McDermid

Val McDermid, geb. 1955, wuchs in einem schottischen Bergbaugebiet auf und lebt heute in Manchester. Nach Jahren als Literaturdozentin in Oxford und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen widmet sie sich heute ganz der Schriftstellerei. Ihr Thriller "Das Lied der Sirenen" wurde 1995 mit dem Golden Dagger Award für den besten Kriminalfall des Jahres ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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