Jakob Arjouni - Chez Max

Originaltitel: Chez Max
Roman. Diogenes 2006
208 Seiten, ISBN: 3257236514

Wir schreiben das Jahr 2064. Max Schwarzwald ist Besitzer eines exklusiven deutschen Restaurants in Paris; dass dieses Restaurant sich eigentlich selbst nicht tragen würde ahnt niemand; doch Max hat noch eine zweite, sehr lukrative Beschäftigung. Er ist ein Ashcroft-Mann, und gemeinsam mit seinem Partner Chen Wu für dieses Pariser Viertel zuständig. Ihre Aufgabe ist es, Verbrechen schon im Keim zu ersticken, Verdächtige also schon zu melden, bevor sie ihre Vergehen überhaupt begehen können.

In der letzten Zeit war Max dabei recht nachlässig geworden; um seine Quote zu erfüllen, hatte er sogar einen seiner wenigen Freunde ans Messer geliefert, der immer noch Zigaretten rauchte.

Natürlich war das ein gefundenes Fressen für seinen Partner Chen, um ihn wie üblich zu verhöhnen. Dabei hatte Chen gut lachen - seine Quote war immer grandios. Doch diesmal hatte Max es geschafft, auch ihn aus der Fassung zu bringen: eine andere Abteilung hatte ihn informiert, dass ein Haus in ihrem Viertel unter Beobachtung stünde, weil vermutet wurde, dass hier Menschen von jenseits des Zaunes, der Eurasien vom Rest der Welt trennte, eingeschmuggelt wurden. Hatte Chen da etwa seine Finger drin?

Wie Jakob Arjouni unsere heutige Welt hier weiterspinnt macht einerseits natürlich Spaß zu lesen (und noch mehr Spaß zu hören, irgendwie eignet sich der Stoff wohl besser als HÖrbuch) - aber gleichzeitig ist es auch bedrückend, da sehr vieles davon vorstellbar ist. Die immer genauere Überwachung, die Vorverurteilung auf bloßen Terrorverdacht hin, die rigiden Gesetze, der Ausschluss eines großen Teiles der Menschheit von diesem Wohlstand, ja sogar bis hin zu den bewusst offen gehaltenen Konflikten zwischen Israel und Palästina erscheint vorstellbar.

Das Problem, an dem dieser Roman dann in meinen Augen schlussendlich leider krankt, ist, dass er ja auch noch eine Handlung rund um diese Satire hat - und die wird irgendann dann doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Schade - doch insgesamt hats dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.

Jakob Arjouni

Jakob Arjouni wuchs in Frankfurt / Main auf, und lebt heute in Berlin und Frankreich.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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