Maria Elisabeth Straub - Das Geschenk

Originaltitel: Das Geschenk
Roman. Diogenes 2006
336 Seiten, ISBN: 3257236522

Die Geschichte von der unbefleckten Empfängnis und allem was danach kommt kennt in der abendländischen Kultur jeder zumindest in den Grundzügen.

Maria Straub hat in diesem Roman diese altbekannte Geschichte neu erzählt – und dabei gleich ein paar sehr plausible Antworten gefunden auf die immer wieder gestellte Frage, wie es sein kann, dass ein Kind Gottes Sohn, Vaters Sohn sein kann – sie nimmt dieses Thema sehr wörtlich.

Und so erklärt sie dann auch, warum das hübsche junge Mädchen den steifen Zimmermann heiraten muss, der davor schon einmal verheiratet war; warum sie so kurz nach der Hochzeit schon einen Sohn gebar, der immer ihr Liebling bleiben sollte. Oder zumindest einer ihrer zwei Lieblinge; denn einen Sohn gab es noch, der aus der Masse der Kinder herausstach, doch den musste sie leider verlieren.

Ihr Erstgeborener riss sich nicht gerade darum, in der Werkstatt oder auf dem Feld mitzuarbeiten. Lieber unterhielt er die Menschen mit den schönen Sprüchen, mit denen er die Welt zu erklären wusste. Und sind nicht auch die Lilien auf dem Felde ein Vorbild? Die nicht säen, nicht ernten, und doch gedeihen?

Die Autorin hat bislang, gemeinsam mit ihrer CO-Autorin, vorwiegend Spannungsliteratur verfasst. Die LeserInnen, die von diesem Buch hier ähnliches erwarten, werden mit Sicherheit bitter enttäuscht werden; „Das Geschenk“ hat nichts vom bislang bekannten Stil oder Inhalt von zB „Katzenzungen“!

Aber während ich nach dem Lesen der Inhaltsangabe eigentlich voller Vorurteile an das Buch herangegangen bin, hatte mich die Umsetzung dann doch so weit interessiert, dass ich es zu Ende gelesen habe. Es ist altertümlich erzählt, man erkennt viele verfremdete Bibelzitate wieder, und es gibt auch immer mal wieder eine ganz nette Überraschungen, die das Lesen nicht zu langweilig werden lassen.

Maria Elisabeth Straub

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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