Markus Werner - Die kalte Schulter

Originaltitel: Die kalte Schulter
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2006
157 Seiten, ISBN: 3423116722

Moritz Wank ist Maler; ein nicht sehr erfolgreicher Maler, aber dafür hat er sich nicht, wie andere, verkauft und produziert das, was andere sehen wollen. Dass er stattdessen Schaufensterfiguren malt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen - nun, das ist eben der Preis, den man für eine geistige Unabhängigkeit zu zahlen hat. Dass Moritz trotzdem zweifelt, an allem und jedem, macht gleichzeitig auch seinen Charme aus. Er hinterfragt auch immer wieder die Art seiner Beziehung zu Judith, einer Zahntechnikerin; und doch ist sie gleichzeitig auch der Mensch, der ihm am ehesten Halt gibt.

Das Buch lebt eigentlich von den Schilderungen der Probleme, die Moritz damit hat, in einer Welt der Angepassten zu leben, immer wieder mit der Spießbürgerlichkeit der anderen konfrontiert zu werden und die Schwierigkeit, die es bedeutet, hier einen eigenen Weg zu finden, ohne sämtliche Kräfte damit aufzureiben, ununterbrochen Widerstand leisten zu müssen.

Ich weiß, dass es natürlich nicht so ist, schließlich ist "Die kalte Schulter" 10 Jahre vorher entstanden - trotzdem hatte ich immer den Eindruck, es wäre ein schlechter Nachahmungsversuch von Genazinos "Liebesblödigkeit".

Die große Begeisterung hat sich bei mir nicht eingestellt; vor allem das Ende, diesen Todesfall, fand ich etwas unmotiviert und auch insgesamt überflüssig. Aber die Lust auf den Autor bleibt; und auf die Kommentare der Montagslesegruppe bin ich natürlich auch gespannt.

Markus Werner

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©15.05.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing