Ake Edwardson - Zimmer Nr. 10

Originaltitel: Rum nummer 10
Krimi. Claassen 2006
480 Seiten, ISBN: 3546002954

In einem etwas heruntergekommenen Göteborger Hotel wird eine Frauenleiche gefunden. Abschiedsbrief, Strick, alles deutet auf Selbstmord - doch irritierenderweise ist eine Hand der Leiche völlig weiß gestrichen - und weder auf dem Pinsel noch auf der Farbdose sind ihre Fingerabdrücke zu finden. Aber was für Erik Winter zusätzlich schwer wiegt: er war hier schon einmal. Hier, in diesem Hotelzimmer - und auch damals ging es um eine Frau. Es war einer seiner ersten Fälle, eine Frau war verschwunden, sie wurde nie wieder gefunden, der Fall nie gelöst.
Und auch wenn es keine offensichtlichen Anzeichen dafür gibt, dass außer diesem Zufall der gleichen Zimmernummer ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Fällen existieren könnte, vermengen sich in Winters Wahrnehmung doch beide Ermittlungen ineinander.

Es war auch die Zeit, als er Angela kennen lernte - Angela, die jetzt gerade mit den Kindern an der Costa del Sol bei seiner Mutter ist, die dort einen Job angeboten bekommen hat. Für Winter steht eine große Entscheidung an: soll er es wagen, sich für ein halbes Jahr beurlauben zu lassen, dem Göteborger Winter für ein paar Sonnenmonate zu entfliehen?

Dazu müsste er es allerdings schaffen, den Fall erst zu klären.

Und wenn man sich die Behäbigkeit ansieht, mit der hier ermittelt wird, dann wundert es einen nicht, warum eine Leiche im September Winter im Dezember noch beschäftigen könnte...

Zumal er über die tote junge Frau, Paula Ney, so gut wie nichts herausfindet. Ihre Eltern wissen wenig über sie zu erzählen. Freunde hat sie - bis auf eine Bekannte, die sie am Vorabend ihres Todes noch ins Kino begleitet hatte - keine. Kein Freund, kein Liebhaber. Nichts. Kann es so ein Leben geben?
Um es kurz zu machen: Die Auflösung des Kriminalfalls fand ich nicht überzeugend. Die Motivation kam völlig zu kurz, und generell hatte ich den Eindruck, dass diese "Mordfall-Lösungsfrage" nur ein ungeliebtes Stiefkind des Autors ist, das er in Kauf nimmt, um uns mehr über den Ermittlungsalltag, die Teamarbeit, die Weiterentwicklung im Privatleben seines Stammpersonals erzählen zu können.

Diese Teile allerdings haben mir recht gut gefallen; besser zumindest als in dem einen Krimi von Edwardson den ich bislang gelesen hatte, "Segel aus Stein". Es las sich angenehm, trotz allen Trübsinns, es war zwar nicht spannend, aber auch kein völliges Schlafmittel, und was mich persönlich sehr angesprochen hatte war natürlich die Schilderung Göteborgs, da ich das Buch noch in dieser Stadt zu lesen begonnen hatte.

Auch wenn ich das Buch soweit ganz ok fand - die Faszination, die Erik Winter auf viele andere Leser ausübt konnte ich nicht nachvollziehen.

Ake Edwardson

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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