Graham Swift - Das helle Licht des Tages

Originaltitel: The Light of Day
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2006
336 Seiten, ISBN: 342313464X

"Irgend etwas ist über dich gekommen." Das hat Rita vor über zwei Jahren gesagt, und jetzt weiß sie, dass es nicht nur etwas Vorübergehendes war.

Rita ist die Assistentin des Erzählers dieser GEschichte; und das, was über ihn gekommen ist, ist - man ahnt es - eine Frau. Eine Frau, die im Gefängnis sitzt, weil sie ihren Mann ermordet hat. Eine Frau, die der Erzähler kennen gelernt hat, weil diese Frau ihm den Auftrag gegeben hatte, ihrem Mann zu folgen an jenem Abend, an dem dieser seine Geliebte zum Flughafen bringen wollte, an dem er danach zu ihr zurückkehren sollte.

Es ist dieser Abend, an dem sie ihn dann tötet, nachdem sie zuvor aufwändig für ihn gekocht hat, ein Gericht, das sie beide mit vielen Erinnerungen verbinden.

Die wenigen Begegnungen zwischen dem Detektiv - einem ehemaligen Polizisten - und seiner Klientin haben in ihm etwas ausgelöst, etwas verändert; es ist keiner der üblichen Fälle für ihn, und er kehrt um, nachdem er seinen Auftrag eigentlich schon beendet hatte, um nocheinmal hinzufahren zu diesem Haus, in das der Ehemann, gebrochen durch den Verlust der Geliebten, zurückkehrt.

Für ihn ist es Liebe; er besucht sie, so oft sie es zulässt, er schreibt ihr, lernt durch sie, was Worte wirklich bedeuten...

Die eigentliche Handlung dieses Romans ist, um ganz ehrlich zu sein, etwas zu stark an den Haaren herbeigezogen und bringt nicht wirklich einen funktionierenden Spannungsbogen.

Aber die einzelnen Szenen, die dieses Buch ergeben, sind zum Teil so schön geschrieben, mit Sätzen, die man einfach nur anstreichen möchte, dass ich es dennoch mit Genuss gelesen habe.

In Rückblicken erfährt man von der Geschichte des Detektivs, seines Rauswurfs bei der Polizei, vom Scheitern seiner Ehe, dem - fast zwangsläufig - darauf folgenden Zusammenbruch. Aber dann kommt das, was so wunderbar geschildert ist; wie der Autor gerade auch dadurch, dass er wieder lernt, für sich selbst zu sorgen, für sich sorgfältig zu kochen, gut zu sich zu sein, sein Gleichgewicht wiederfindet. Und auch den Kontakt zu seiner Tochter.

Ja, es sind Klischees, die hier bemüht werden; aber die Art und Weise, wie sie geschildert werden, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Wir haben dieses Buch in unserer Dienstagsleserunde gemeinsam gelesen und besprochen; nach Audrey Niffenegger war das natürlich schon ein deutlicher Kontrast. Wobei der fehlende bzw. wenig überzeugende Plot für einige Abstriche gesorgt hat, aber eigentlich jedem Szenen einfielen, die berührt und überzeugt hatten, gerade auch, weil Swift (bzw. natürlich die Übersetzerin, Barbara Rojahn-Deyk) dafür eine frische, unverbrauchte Sprache nutzte.

Graham Swift

Graham Swift wurde 1949 in SüdLondon geboren, wo er auch heute noch lebt, hat in Cambridge und York studiert und seinen Abschluss über den Roman des 19. Jahrhunderts gemacht. Zwei seiner Romane wurden verfilmt; "Waterland" 1992 mit Jeromy Irons und Ethan Hawkes, "Letzte Runde" 2002 mit Michael Caine in der Hauptrolle. Für "Letzte Runde" erhielt er 1996 den Booker Prize

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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