Alex Barclay - Schattenturm

Originaltitel: Darkhouse
Krimi. Gustav Lübbe Verlag 2006
384 Seiten, ISBN: 3785722397

Die Gründe, die einen zu einem gewissen Buch greifen lassen, sind manchmal ziemlich irrational. So für mich auch hier: ich war im letzten Jahr von einer Neuerscheinung bei Luebbe so begeistert (Das letzte Geheimnis), dass ich irgendwie eine ähnliche Entdeckung erhofft hatte. Und dann hatte mich auch der Klappentext angesprochen:

Eine Kindesentführung in New York entwickelt sich zur Katastrophe, und Joe Lucchesi, der ermittelnde Beamte, zieht sich mit seiner Frau und seinem Sohn in einen Ort an der irischen Küste zurück, um die schrecklichen Ereignisse zu vergessen. Joes Sohn Shaun fühlt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der kleinen Gemeinde sehr wohl, was vor allem auf seine Freundschaft zu einem jungen Mädchen, Katie Lawson, zurückzuführen ist. Als Katie eines Tages spurlos verschwindet, verwandelt sich die friedliche Gemeinde in einen Ort des Schreckens. Joes Ermittlerinstinkte werden geweckt, zumal sein Sohn durch die Beziehung zum Opfer in den Kreis der Verdächtigen gerät und seinen Eltern manches verheimlicht. Doch auch Joes Frau hat ein Geheimnis, das sie mit allen Mitteln vor ihrem Mann zu verbergen sucht. Und Joe muss schließlich erkennen, dass er die albtraumhaften Ereignisse in New York nicht hinter sich gelassen hat ...

Nun: meinen zögerlichen Einstimmungsworten kann man vermutlich bereits entnehmen, dass meine Erwartung herbe enttäuscht wurde.

Obwohl ich anfangs wirklich noch guten Willen verspürte, über manche sprachliche Holprigkeit hinwegzulesen, hat mich die auf Effekthascherei angelegte Handlung, die dafür psychologische Tiefe vermissen lies, mehr und mehr angeödet - so dass ich für einen simplen Thriller letztendlich eine Woche Lesezeit benötigt habe. Für mich ein ausgesprochen schlechtes Zeichen...

Immer abwechselnd wird entweder erzählt, wie Joe und seine Familie in Irland leben bzw. dann mit dem Verschwinden von Katie umgehen, und mit einem GEschehen von vor 30 Jahren, das den Werdegang des Täters zeigt. Und diese Teile sind an sich vor allem ekelhaft - unnötig brutal, in sich nicht stimmig, und in meinen Augen auch so gar nicht fesselnd.

Je weiter die Handlung dann fortschreitet, je mehr Tote es gibt, umso langweiliger wird der Roman - von meiner Seite keine Empfehlung, leider!

Alex Barclay

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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